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Bischof Abromeit predigt im Gottesdienst der Landessynode

„Gott hat auch eine schwache und ohnmächtige Seite“

03.03.2018 ǀ Lübeck-Travemünde.  Die schwache, ohnmächtige Seite Gottes stellte Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit im Synodengottesdienst am gestrigen Freitag in der St.-Lorenz-Kirche in Lübeck-Travemünde in den Mittelpunkt seiner Predigt. Der Greifswalder Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) griff das Unbehagen vieler Menschen gegenüber einem Gott auf, der den Tod seines eigenen Sohnes fordert, und fragte: „Was ist das für eine Vorstellung, dass Gott Blut fließen lassen muss? Ist das nicht schrecklich? Wenn Gott Schuld vergeben will, dann könnte er doch eine Art Generalamnestie verhängen.“

Die Bibel vermittle allerdings neben dem allmächtigen Herrn ein anderes Bild von Gott. „Es ist wahr, Gott hat die Welt geschaffen und ist der Herr der Geschichte. Aber er ist nicht der ‚unbewegte Beweger‘. Denn Gott hat sich bewegen lassen. Von Anfang an wollte er ein Gott sein, der freiwillig schwach wird, ja ohnmächtig. Das Kreuz Christi steht für ein Gottesbild, zu dem die Schwäche und die Ohnmacht dazugehören“, sagte Abromeit. Er zitierte aus dem ersten Kapitel des Petrusbriefes, wonach Jesus von Gott „ausersehen“ war, „ehe der Welt Grund gelegt war“. Dies sei nicht mit dem von Menschen geschaffenen Bild eines allmächtigen Despoten vereinbar. Abromeit sagte: „Indem Gott sich so tief in die Geschichte hineinbegibt, steht er an unserer Seite und löst uns mit unserer Sünde heraus aus der Geschichte und ihren durch uns selbst angerichteten Folgen. Diese andere, neue Gottesvorstellung war Gott so wichtig, dass er sie von Anbeginn der Welt im Blick gehabt hat.“ Eine Vorstellung, die Jesus Christus das Leben gekostet habe.

Diesen hohen Einsatz im Blick kritisierte der Greifswalder Bischof ein Christsein nach dem Motto „Ich darf so bleiben, wie ich bin“. Der Bischof sagte: „Du darfst zu Gott kommen, wie du bist, ohne irgendwelche Leistungen zu bringen. Aber niemand geht aus einer Begegnung mit Jesus Christus unberührt hervor. Wer vor Gott steht, gerade wie er in Jesus Christus für uns Mensch geworden ist, wird verändert. Es geht um einen Existenzwandel. Die ganze Lebensführung ist angesprochen. Da heißt es eben: Ich kann nicht so bleiben, wie ich bin.“ Dieses lebenslange Werden zu Christus hin sei aber nicht als moralische Forderung zu sehen. Vielmehr entstehe sie aus der Freiheit, die Gott dem Menschen mit dem Kreuzestod Jesu und seiner Auferstehung geschenkt habe. Abromeit sagte: „Aus dem Loskauf von den Gesetzen dieser Welt und ihres Lebenswandels ermöglicht uns Jesus Christus einen Wandel unserer Existenz. Du musst nicht bleiben, wie du bist. Du bist frei, eine Andere, ein Anderer zu werden.“
Quelle: Nordkirche

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