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Neujahrsbotschaft von Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit

Auf Gottes Trost vertrauen

31.12.2015 ǀ Greifswald.  Die christlichen Kirchen stellen jedes Jahr unter ein Wort aus der Bibel. Die Jahreslosung für 2016 lautet: „Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ (Jesaja 66,13). Was für ein intimes Bild, was für eine großartige Verheißung! Das ist kein Trost, der über den Kummer hinweg zu positivem Denken ermahnt, keiner, der reales Elend klein redet. Vor 2500 Jahren hat ein Prophet diese Gottesworte in eine trostlose Situation hineingesprochen: Die Juden hausten in Trümmern, nachdem die Babylonier die Stadt Jerusalem mitsamt ihrem Tempel bis auf die Grundmauern zerstört hatten. Tausende Menschen waren vertrieben worden und kehrten nach fast 60 Jahren aus dem Babylonischen Exil zurück in eine fremd gewordene Heimat. Terror, Krieg, Vertreibung, die Zerstörung unschätzbarer Kulturgüter:  Wir kennen Ähnliches aus den Erzählungen unserer (Groß-)Mütter und (Groß-)Väter und aus den Erzählungen der Flüchtlinge aus Syrien oder dem Irak. Und in diese Situation hinein sagt der Prophet: Gott weiß um deine Not und nimmt sie so ernst, wie eine Mutter beinahe körperlich den Kummer ihres Kindes spürt. Denn Ungerechtigkeiten, unter denen ihre Kinder leiden, sind für eine Mutter unerträglich.
 
Wir alle sind auf Gottes Trost angewiesen. Das Leben ist nicht perfekt. Es ist nur begrenzt planbar, hat Risse, Brüche und Verwerfungen. Der Gott, der sich auf den Weg zu seinen Geschöpfen gemacht hat, der ein Kind geworden ist, hat selbst gelitten und ist voll Mitleid und Erbarmen für die Menschen. Jesu Trost, von dem wir in vielen Geschichten der Bibel erfahren, richtet Menschen auf, nährt sie und gibt ihnen neue Kraft. Wir dürfen auf die Zusage von Gottes Trost vertrauen. Für unser Leben und für das Leben unserer Mitmenschen.
 
Das entlastet auch. Wir sollen nach unseren Möglichkeiten helfen: Alte und kranke Menschen besuchen und begleiten, Obdach gewähren, von unserem Reichtum abgeben. Doch Gott verlangt von uns nicht, dass wir das Leben von Obdachlosen, von verwaisten Eltern, von Gefolterten oder von Flüchtlingen heil machen. In den letzten Wochen war viel zu hören von ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern, die am Rande ihrer Kräfte sind. Ausgebrannt von unübersichtlichen Anforderungen, erschöpft von der Ungewissheit über das künftige Schicksal einer Flüchtlingsfamilie und von traumatischen Geschichten. „Ich will dich trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet.“ Diese Zusage Gottes schützt davor, die Verantwortung für ein Schicksal zu übernehmen oder an Ungerechtigkeiten zu verzweifeln. Gott hat seine Zusage gegeben, dass er trösten wird wie eine Mutter. Darauf können wir uns verlassen. In den dunklen Momenten unseres Lebens und dann, wenn wir uns für andere Menschen einsetzen.

Für 2016 wünsche ich uns, dass wir uns nicht vertrösten lassen, sondern ganz auf Gottes Verheißung vertrauen: „Ich will dich trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet“.

Dr. Hans-Jürgen Abromeit, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern (Greifswald)
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