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Bischöfin Kirsten Fehrs predigt im Greifswalder Dom

„Vor 25 Jahren wirkte eine Macht, die das Menschliche sprengt“

09.11.2014 | Greifswald (ak). Vor 25 Jahren fiel die Mauer: Mit Gottesdiensten an verschiedenen Orten hat die  Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) heute (9. November) an die friedlichen Revolution im Herbst ’89 erinnert. Als ein „Wunder“ hat die Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck Kirsten Fehrs am heutigen Sonntagmorgen (9. November) im Greifswalder Dom St. Nikolai die friedliche Revolution vor 25 Jahren bezeichnet: „Unglaublich, wie jedes Wunder. Denn bei allem Respekt vor religiöser Distanz: Jeder Mensch war doch im Innersten berührt und hat gefühlt, dass hier eine Macht wirkte, die das Menschliche sprengt.“ Anlässlich des 25. Jahrestags des Mauerfalls hatten die Bischöfin und die Bischöfe der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) ihre Kanzeln getauscht: So predigte Kirsten Fehrs‘ Greifswalder Amtskollege, Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit, zeitgleich im Dom zu Lübeck.  

Der Gottesdienst im Greifswalder Dom war zugleich die Auftaktveranstaltung der Nordkirche zur ökumenischen Friedensdekade, die in diesem Jahr unter dem Motto steht: „Befreit zum Widerstehen“. Am Reformationstag (31.10.) hatte die Greifswalder Domgemeinde ein Schwert in eine Pflugschar umschmieden lassen. Diese lag bei dem Gottesdienst vor dem Altar und wird bei allen Veranstaltungen der Nordkirche zur Friedensdekade wie Friedensgebeten dabei sein. Bischöfin Fehrs nahm in ihrer Predigt Bezug auf dieses Friedenssymbol: „Wir wollen es weitersagen, gerade jetzt in diesen Zeiten, wo man allerorten wieder auf die Kraft der Waffen setzt: Welche Kraft steckt in Menschen, die Christus in ihrer Mitte wissen! Wer sich von ihm geachtet weiß, muss keinen anderen verachten. Der kann sich öffnen. Auch für die großen Erwartungen. Schwerter zu Pflugscharen - diese Vision des Propheten Micha hat nicht nur 1989 die Gedanken der Menschen klar und frei gemacht! Ich wünsche unserem Land und unserer Kirche auch heute diese visionäre Kraft."

Dompastor Matthias Gürtler hat den Gottesdienst mit der Bischöfin gemeinsam gestaltet. Er war vor 25 Jahren in der friedlichen Revolution als Pastor in Eberswalde aktiv und gehörte zur Auflösungskommission der Stasi in Frankfurt/Oder. Pastor Gürtler: „Die Bewegung ‚Schwerter zu Pflugscharen‘ hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass am 9. November die Mauer zu Fall gekommen ist. Wir als Kirchengemeinden waren aktiv daran beteiligt, dass Menschen im Sinne der Reformation die Freiheit gefordert haben.“