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Bildgeschichten

Die barocken Prunksarkophage im Greifswalder Dom

Im Chorumgang des Greifswalder Domes ist gegenwärtig der mit Figuren geschmückte Deckel eines barocken Prunksarkophages ausgestellt. Es handelt sich um einen von acht Zinnsarkophagen, die seit Januar 1989 in einem katastrophalen Zustand in der für Besucher nicht zugänglichen Scheffel-Lembkeschen Kapelle im südlichen Chorumgang lagern.Während der Domsanierung waren 1987 in den Kapellen V und VII des Domes zwei Familiengrüfte aufgegeben und verfüllt worden. Die notdürftig geborgenen Sarkophage aus den Grüften der Familien von Owstin und der Familie des Generals Müller von der Lühne wurden seinerzeit vorerst in Kapelle XX hinter einer Bretterwand zwischengelagert. Dem damaligen Domhandwerker und Technicus Günter Matheisen ist eine Dokumentation der Auffindungssituation und der vorgefundenen Inschriften und die Bergung von vielen abgebrochenen Einzelteilen zu danken.General Burchard Müller von der Lühne (1604-1670), der sich schon während des Dreißigjährigen Krieges unter Gustav II. Adolf Verdienste erworben hatte und 1650 in den schwedischen Adelsstand erhoben worden war, hatte 1659 Greifswald erfolgreich gegen den Großen Kurfürsten verteidigt. In der Historie des Freyherrlichen Lehn- und Rittergutes Ludwigs-Burg von Albert Georg Schwartz heißt es 1734 überschwenglich: “... der, wegen seiner fast unzehligen Helden-Taten unsterblich-berühmte General und General-Commendant des Königlichen Schwedischen Militair-Staats in Pommern, auch Commendant der Stadt Greyffswald Herr Burchard Müller von der Lühne (dessen Verdienste, die nur benannte Stadt nimmer vergessen wird)...”Ob heute noch viele Greifswalder der Heldentaten dieses Generals gedenken, scheint fraglich. Der General hatte 1650 das Gut Ludwigsburg bei Greifswald erworben und das dortige Schloss ausgebaut. Die bekannte Stuckdecke im Ludwigsburger Schloss stammt wahrscheinlich nicht, wie früher angenommen, noch aus der Herzogszeit, sondern aus der Phase der Sanierung und des Ausbaus unter Müller von der Lühne in den 1650er Jahren.Prächtiger als die Särge Burchards und seiner 1666 verstorbenen Gemahlin Ilsabe Maria von Schmeling sind die Sarkophage der beiden bei dessen Tod noch unmündigen Söhne des Generals, Carl Leonhard (1643-1707) und Jacob Heinrich Müller von der Lühne (1652-1713). In der Prachtentfaltung stehen diese beiden reich dekorierten Zinnsärge dem Sarkophag des Großen Kurfürsten im Berliner Dom nicht nach. Üppige Trophäenarrangements verweisen auf die Profession der hier Bestatteten. Genien, die an antike Victorien erinnern, halten Lorbeerkränze als Zeichen des Sieges. Bemerkenswert sind die Reste der einstigen Textilbespannung und farbigen Bemalung und der Vergoldung einzelner Teile.Der Förderverein Schwedisches Kulturerbe in Pommern e.V. und der Domförderverein haben es sich zur Aufgabe gemacht, Spendenmittel für die Konservierung und würdevolle Präsentation dieser bedeutenden Zeugnisse der Sepulkralkultur einzuwerben.Detlef Witt 2009