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Prof. Dr. Frank Crüsemann

Es wird wieder über die Bibel gesprochen - Studientag zur „Bibel in gerechter Sprache“

 

Barth (ran). „Es wird in einer Kirche, die so stark mit Strukturen und Finanzen beschäftigt ist, wieder über die Bibel gesprochen“ sagte Prof. Frank Crüsemann am Freitag im Niederdeutschen Bibelzentrum Barth beim Studientag zur „Bibel in gerechter Sprache“. Hierzu hatten Bildungsträger der Pommerschen Evangelischen Kirche – das Frauenwerk, das Bibelzentrum, das Theologisch-Pädagogische Institut und der Arbeitskreis Gleichstellung eingeladen.

 

Und es stimmte – an diesem Tag, zu dem fast 100 Personen aus beiden Landeskirchen nach Barth gekommen waren – las man in fünf Arbeitsgruppen die Bibel, sprach über den Weg der Quellensprache zur Zielsprache, über das gewohnte Lutherdeutsch und über das Verständnis des Urtextes, der ja die Grundlage jeder Bibelübersetzung ist. Das „Schriftprinzip“ sei protestantische Grundlage, sagte Crüsemann, danach stehe keine andere Autorität über der Bibel – auch nicht die Lutherübersetzung des 16. Jahrhunderts, deren Text wir nach mehreren Revisionen heute lesen. Denn nicht die Lutherübersetzung sei maßgebend, sondern „allein die Texte in hebräischer und griechischer Sprache.“

 

Wie der Vorgang des Übersetzens auch die Diskussion von Wertefragen beinhaltet, wurde in einer Arbeitsgruppe beim Gebot „Du sollst nicht ehebrechen“, wie wir es von Luther her kennen, deutlich. „Ehebrechen setzt ein Eheverständnis voraus, das es damals nicht gab und auch bei Luther anders ist als heute,“ sagte Crüsemann und verwies auf Jakob, dessen Frau Rahel – da sie keine Kinder bekommen konnte – ihm die Sklavinnen Bilha und Silpa „gab“, damit er mit ihnen Kinder zeugen konnte. Daher stelle sich bei diesem Gebot die Frage, was heute geschützt sein solle. Übersetzung ist also auch Interpretation, das wurde in der Arbeitsgruppe deutlich.

 

Und gerade hier stimmten die Anwesenden zwar gelungenen Übersetzungen zu, fragten aber auch auch Übersetzungen an, die mehr Interpretation als Übersetzung seien und der Revision bedürften. Dabei kündigte Crüsemann an, daß der Herausgebekreis in eine Diskussion um eine Fortentwicklung der Übersetzung eintreten wolle, wobei noch die Finanzierung und die Frage der BearbeiterInnen geklärt werden müsse.

 

Crüsemann sagte, daß die Frage „Warum haben Sie das verändert?“ oft an der Sache vorbeigehe. Etwa beim Schöpfungsbericht, wo man beim fünften Tag bei Luther lese, daß „Vögel“ erschaffen worden seien. In der neuen Bibelübersetzung habe man das wortgetreuer mit „Flugtiere“, übersetzt, da mit dem hebräischen Wort nicht nur Vögel sondern auch Bienen und Schmetterlinge gemeint seien. So sei die Lutherübersetzung für viele der Maßstab, doch gibt sie nicht immer die Bedeutung und die Übersetzungsmöglichkeiten der Quellensprache wider.

 

An diesen beiden Beispielen werde der Vorgang des Übersetzens deutlich und auch das eingefahrenes Hören auf die Übersetzung Martin Luthers, der „oft frei übersetzt hat, manchmal auch falsch, aber immer genial“, sagte Crüsemann. Im Kern müsse man darüber streiten: „Was steht denn da?“

 

In seinem Einleitungsreferat bezog sich Crüsemann, einer der Übersetzer der neuen Bibel, besonders auf den Bereich Frauen und den Gottesnamen. Daß es Hirtinnen gegeben habe, sei breit überliefert – etwa bei den Frauen an Brunnen – und auch im Weihnachtslied: „Kommet ihr Hirten, ihr Männer und Fraun“. Daran habe man bisher aber keinen Anstoß genommen, sagte er zur Erheiterung seines Publikums.

 

Breiten Raum nahmen seine Ausführungen zum Gottesnamen ein. „Gott hat einen Namen – das Tetragramm mit den vier Buchstaben, der aber schon früh nicht ausgesprochen wurde.“ Daher habe man „der Name“ oder „Adonaj“ gelesen. Das Wort „Gott“ treffe aber auch nicht richtig zu, denn damit werde ja auch Zeus oder Baal bezeichnet, sagte Crüsemann. Mit der Bezeichnung des Gottesnamens habe „das Christentum einen wichtigen Bereich ausgeblendet“ und es sei gut, daß es hier zu einer neuen Diskussion über den Gottesnamen komme, wobei das sprachliche Dilemma nur „mehr oder weniger gut gelöst“, aber nicht aufgehoben werden könne. Denn wenn Gott einseitig männlich bezeichnt werde, widerspreche das der biblischen Intention, die z.B. im 1. Mose 1,27 betone, daß die Gottebenbildlichkeit männlich und weiblich umfasse.

 

Die neue Bibelübersetzung fülle eine Lücke, sagte Crüsemann und man wolle ja nicht ,die‘ Bibelübersetzung sein. „Die Lutherbibel auf dem Altar ist unverzichtbar,“ sagte er und lud dazu ein, diese Bibel als „ein Arbeitsbuch“ zu verstehen.

 

Die „Bibel in gerechter Sprache“ ist inzwischen in 3. Auflage mit insgesamt 70.000 Exemplaren erschienen.

 

Zu wichtigen Fragen der Übersetzung nimmt die neue Homepage der „Bibel in gerechter Sprache“ Stellung: www.bibel-in-gerechter-sprache.de

 

Auf den Seiten von www.kirche-mv.de/bilderbibel.html sind bei der Bilderbibel auch Texte der neuen Bibelübersetzung nachzulesen.

 

Bilder vom Tage

(25.3.2007)


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