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3. Tagung der 10. Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands Klink 2005

 

 

E n t s c h l i e ß u n g

der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands

zum Synodenthema „Das Beten – Herzstück der Spiritualität“

 

vom 19. Oktober 2005

 

 

Die Generalsynode der VELKD hat sich im Rahmen ihrer diesjährigen Tagung vom 15.-19. Oktober 2005 in Klink an der Müritz mit dem Thema „Spiritualität“ beschäftigt, das auch das Jahresthema des Leitenden Bischofs war. Dabei legte die Generalsynode den Schwerpunkt auf das Thema „Das Beten – Herzstück der Spiritualität“. In Gottesdiensten und Andachten zum Vater Unser, in einem ökumenischen Podiumsgespräch, in Vorträgen und in Gesprächsgruppen sowie durch Stille-Übungen sind wir aufmerksam geworden auf die Vielfalt von alten und neuen Formen des Gebetes und geben unsere Eindrücke und Erfahrungen als Wort an die Gemeinden weiter:

 

 

Ermutigung zum Gebet

1. Nach biblischem Zeugnis ist das Gebet Herzstück evangelischer Spiritualität. Gott liebt die Menschen und wendet sich ihnen zu. Menschen, die sich von Gott geliebt wissen, wollen ihm im Gebet begegnen und ihm antworten.

 

2. Die Antwort des Menschen hat viele Formen: „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“ Wer sich von Gott beschenkt weiß, will ihn loben und ihm danken, sein Glück und seine „Freude wie Vögel an den Himmel werfen“. In Zeiten persönlicher und allgemeiner Not können wir unsere Klage vor Gott bringen und rufen: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ (Psalm 22,2; Markus 15,34) Im schweigenden Hören auf Gottes Wort öffnen wir uns seiner Gegenwart. Mit unseren Bitten zeigen wir Gott, dass wir alles von ihm erwarten. In der Fürbitte nehmen wir die Verantwortung füreinander wahr. Für andere zu bitten heißt, „jemandem einen Engel zu senden“ (Martin Luther).

 

3. Die Bibel überliefert uns einen reichen Schatz an Gebeten, die zum Nachbeten einladen und eine Hilfe sind, z. B. das Buch der Psalmen und das Gebet Jesu, das „Vater Unser“ (Matthäus 6,9-13).

Das Gesangbuch versammelt gesungene Gebete aus alter und neuer Zeit sowie im Anhang Gebete für viele Situationen des Lebens.

 

4. Das Gebet verbindet den einzelnen Christen, die einzelne Christin mit dem dreieinigen Gott, schafft Raum zur Stille, zum Hören und zum Reden und kann zu einer Lebenshaltung werden. Es verbindet aber auch die christliche Gemeinde mit Gott und untereinander im gemeinsamen Schweigen, Sprechen und Singen. Dabei ergänzen sich freie und vorformulierte Gebete. Unsere ökumenischen Gäste haben uns ermutigt, Hemmungen gegenüber dem freien Gebet zu überwinden und auch häufiger spontan zu beten.

Weil die biblischen Zeugen erfahren haben, wie wichtig das Gebet für das Leben im Glauben ist, erinnern sie uns: „Seid beharrlich im Gebet!“

 

5. Das Beten will gelernt und geübt werden. Das öffentliche wie das familiäre und persönliche Gebet ist betroffen vom allgemeinen Traditionsabbruch. Menschen aus allen Altersgruppen, sozialen, beruflichen und religiösen Prägungen haben Schwierigkeiten mit dem Beten. Die Generalsynode bittet die Gemeinden, Raum zum Gebet zu schaffen, zum Beten zu ermutigen und Hilfestellung zum Gebet zu geben.

 

6. Zentraler Ort des Gebetes ist der Gottesdienst. Hier werden die Gebete unserer Väter und Mütter im Glauben und Beten, die vertrauten Worte aus Bibel, Gesangbuch und kirchlicher Tradition gepflegt. Die Gottesdienste geben auch Raum zum eigenen, persönlichen Gebet, zum Beispiel in der Stille, aber auch in der Gebetsgemeinschaft.

Wir bitten die Erzieherinnen und Erzieher in den Kindergärten und Kindertagesstätten, mit den Kindern zu beten. Für Kinder, die es gewohnt sind, regelmäßig zu beten, wird Gott zum vertrauten Begleiter des Lebens.

Der Konfirmandenunterricht bietet die Chance, Jugendliche mit dem Beten vertraut zu machen und ihnen durch Auswendiglernen z. B. des Vater Unser und Psalm 23 eine „eiserne Ration“ für ihren Alltag zu geben.

Die Generalsynode ermutigt dazu, in allen kirchlichen Gruppen und Gremien regelmäßig zu beten.

Wir bitten die Familien als wichtige Lernorte des Glaubens, die Tradition des Gebetes nicht abreißen zu lassen oder dort, wo sie abgerissen ist, neu zu beleben. Familien, die das Gebet neu einüben möchten, sind für Hilfestellungen in ihren Gemeinden dankbar. In der Erziehung zum Gebet wird das Taufversprechen eingelöst. Eltern, die mit ihren Kindern oder durch ihre Kinder das Gebet neu lernen, werden es als Bereicherung erfahren.

Die Generalsynode lädt jede Christin und jeden Christen ein, das persönliche Gebet als Zeit zum Hören auf Gott und zum Reden mit ihm wieder zu entdecken und zu pflegen. Wo Kirchen geöffnet sind, laden diese zu solchem Gebet ein.

 

7. Die Verbundenheit der VELKD mit den lutherischen und den weiteren christlichen Kirchen in der Ökumene, die diese Generalsynode wieder als große Bereicherung erfahren hat, ist auch eine Einbindung in eine weltweite Gebetsgemeinschaft. Wir erleben die Chance solcher Gebetsökumene besonders durch den Weltgebetstag, zu dem Frauen einladen, und die Gebetswoche für die Einheit der Christen. Andere beten für uns, wir beten für sie. „Denn unermüdlich wie der Schimmer / des Morgens um die Erde geht, / ist immer ein Gebet und immer / ein Loblied wach, das vor dir steht.“ (EG 266,3)

 

8. Luther wollte ein Schüler des Katechismus bleiben sein Leben lang – auch ein Schüler des Vater Unser. Als Betende lernen wir nie aus, sondern sind stets Suchende auf dem Weg zu Gott – freilich solche, die von Gott längst gefunden sind. So dürfen wir darauf vertrauen, dass auch unser Suchen nach dem rechten Reden und dem rechten Schweigen bei Gott geborgen ist, denn „der Geist hilft unserer Schwachheit auf“.

 

 


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