Kirchenfusion: Schweriner Bischof gegen vorschnelle Zielvorgaben
Plau am See (epd). Der mecklenburgische Bischof Hermann Beste hat seine Landeskirche vor unüberlegten Beschlüssen beim Zusammengehen mit der pommerschen Kirche gewarnt. Er könne weder in einer Föderation noch in einer Fusion das erkennen, "was der Erfüllung unseres Auftrages als Kirche in unserem Land entspricht", sagte Beste am Sonnabend in seinem Bericht an die in Plau am See tagende mecklenburgische Synode.
In den Gesprächen zu einer gemeinsamen Kirchengestalt müssten Tradition, Struktur und die unterschiedlichen Größen der beiden Partner berücksichtigt werden. Gegenüber epd sprach sich Beste dafür aus, zunächst nach weiteren Möglichkeiten für die Zusammenlegung von Einrichtungen zu suchen. Die beiden Landeskirchen haben bereits eine gemeinsame Wochenzeitung und Akademie sowie ein gemeinsames Frauenwerk. Zum Januar 2005 ist die Fusion der beiden Diakonischen Werke geplant.
Zudem mahnte Beste mehr soziale Gerechtigkeit bei den politischen Reformen an. Er warnte davor, dass durch Hartz IV die Armut und das Gefühl wachsen könnten, "die Gesellschaft braucht uns nicht". Weite Kreise der Bevölkerung hätten das Vertrauen in die Verlässlichkeit der regierenden Politiker verloren. Die geringe Wahlbeteiligung sei ein "noch nicht genug gehörtes Alarmsignal". Es sei eine Fehlentwicklung, dass die Fürsorge um hilfsbedürftige Menschen dem wirtschaftlichen Konkurrenzkampf im sozialen Bereich ausgeliefert ist. Außerdem sei er skeptisch, ob Ein-Euro-Jobs wirklich nicht qualifiziertes Personal verdrängen werden.
Mit Blick auf die friedliche Revolution vor 15 Jahren sagte Beste, dass viele Wunden aus der Zeit vor 1989 noch schmerzten. Viele Menschen seien von dem Gefühl verletzt, "dass erlittenes Unrecht nicht benannt und auch nicht durch Entscheidungen des Gesetzgebers anerkannt wird", etwa bei Rentenansprüchen von Opfern des Gewaltregimes.
Allerdings sei der Opferbegriff vielfältig, betonte Beste. Dazu gehörten auch junge Menschen, die in der Schule "indoktriniert und verbogen" wurden. Andere hätten keine ihren Leistungen entsprechende Berufsausbildung erhalten oder wurden bespitzelt. Opfer seien aber auch diejenigen, die "auf gemeine Weise durch Erpressung zu Werkzeugen der Stasi gemacht" wurden.
Beste warb ferner dafür, sich verstärkt den Gemeindegliedern ohne regelmäßigen Kontakt zur Kirche zuzuwenden. Kirchliche Beschlüsse sollten nicht nur auf ihre finanziellen Auswirkungen, sondern auch daraufhin geprüft werden, inwieweit sie dem missionarischem Auftrag gerecht werden. Vor 50 Jahren hätten noch schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen der Landeskirche angehört, während es heute nur noch 216.000 seien. (30.10.2004) 
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