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Landesbischof Dr. Andreas von Maltzahn bei seinem Bischofsbericht. Foto: Neumann

Bericht des mecklenburgischen Landesbischofs: „Suchet mich, so werdet ihr leben“

 

Plau am See (rn). Der mecklenburgische Landesbischof Dr. Andreas von Maltzahn erstattete am Freitagnachmittag der in Plau am See tagenden Landessynode seinen Bischofsbericht. Den jährlichen Bericht stellte von Maltzahn unter ein Wort des Propheten Amos: „Suchet mich, so werdet ihr leben“. Er rückte einen Aufgabenkreis in den Mittelpunkt, „der von der bleibenden Bedeutung des evangelischen Christ- und Kircheseins in der DDR zeugt: Ich meine die Einsichten des Konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Die erstaunliche Aktualität dieser Einsichten und Handlungsoptionen zu erkennen und einer krisengeschüttelten Gesellschaft orientierend zu sagen, was aus der Perspektive des christlichen Glaubens dem Leben dient, gehört auch heute zu unserem Auftrag.“

 

Jüngste Debatten hätten gezeigt, daß es einen gesellschaftspolitischen Diskurs im Sinne einer „kooperativen Wahrheitssuche der Perspektive des Glaubens“ geben müsse. Dies gehöre zum heutigen Auftrag der Kirche, sich zu den (Über)Lebensfragen der Zeit zu äußern. Von Maltzahn lehnte die Rede von den „Kernkompetenzen“ ab. Dies führe dazu, daß sich die Kirche sich nur auf das Religiöse beschränke.

 

Der Landesbischof erinnerte an die Ökumenische Versammlung 1988 in Dresden, die im Sinne der Umkehr eine „vorrangige Option für die Armen“ beschlossen hatte und fragte, welche Konsequenzen diese Verpflichtung für unsere Zeit habe. Es dürfe nicht sein, „daß gegenwärtiges Krisenmanagement nur die Wiederherstellung der früheren Verhältnisse zum Ziel hat – der Verhältnisse, die diese Krise herbeigeführt haben. Perversionen des Marktes müssen beseitigt werden,“ sagte von Maltzahn. Die Hoffnung in der friedlichen Revolution auf einen Paradigmenwechsel habe sich bisher nicht erfüllt.

 

Der Schweriner Landesbischof dankte den Gemeinden für „manche Aufbrüche hin zu den Armen – in Tafeln und warmen Mittagstischen, in Beratungs- und Begegnungsangeboten, in Partnerschaftsprojekten.“ Doch er warnte davor, „im eigenen Milieu gefangen zu bleiben, sich darin zu erschöpfen, das laufende Programm aufrecht zu erhalten.“

 

In einem weiteren Teil seines Berichtes sagte er, daß dem gewaltfreien Friedensweg Jesu neue politische Bedeutung zukomme. „Nicht die Rechtfertigung vermeintlich gerechter Kriege, sondern der Einsatz für den gerechten Frieden muß unsere Sache sein.“ Daher seien die politisch Verantwortlichen gefordert, „gerade auch um der ihnen anvertrauten Soldatinnen und Soldaten willen – die Neuausrichtung des Afghanistaneinsatzes nicht nur verbal sondern substantiell voranzutreiben.“

 

Im dritten Teil widmete sich der Schweriner Bischof der Verpflichtung das Leben auf dieser Erde zu schützen und zu bewahren. Die Landeskirche habe Berechnungen über den Kohlendioxidausstoß der Dienstreisen des Oberkirchenrates angestellt. „Daraus ergibt sich, daß entsprechende ökologische Kompensationen für unsere Kirche keineswegs unbezahlbar sind. Könnten mit solchen Ausgleichszahlungen Wiederaufforstungsprogramme in unseren Partnerkirchen gefördert werden, wäre dies besonders erfreulich. Lassen Sie uns zudem nach Möglichkeiten suchen, wie wir die Sanierung unserer Pfarrhäuser unter energiesparenden Gesichtspunkten noch intensiver fördern können.“ Das Scheitern von Kopenhagen ermutige zu einem „Jetzt erst recht!“

 

Von Maltzahn sagte vor der Synode zum Schluß, daß wir „unser Leben ändern lassen müssen – als Gesellschaft, als Kirche, persönlich. Wir können unser Leben ändern lassen – durch Christus, die Quelle unseres Mutes. Denn wir müssen nicht bleiben, wie wir sind.“

 

Der Bericht im Wortlaut (200 KB)

(19.3.2010)

 

 


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