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Petrus. Mittelalterliche Wandmalerei in Starkow

10. Ökumenische Mecklenburg Wallfahrt 2004

 

"Keine besonderen Vorkommnisse", so könnte rückblickend auf die Fußwallfahrtgesagt werden: Ruhig, entspannt, ihrem Sinn entsprechend.

Wen da nicht die großen, mitunter erschütternden Freuden am Weg gewesen wären und die bohrende Anfrage des Themas: "Ich glaube: Vergebung der Sünden". Beides begleitete uns auf dem Weg von Stralsund - Franzburg - Kenz - nach Ribnitz.

Der erste Abend machte es noch einmal bewusst: Das Thema wird als schwer, fast feindlich, als zwingend und unnahbar verstanden. Zum Glück bringt eine Wallfahrt den hilfreichen Rahmen mit dem Gehen, Schweigen, Atmen; mit den Stundengebeten, den Mahlfeiern, den Gesprächen; mit seinen Kirchen und vielfältigsten Menschen. So dass man darauf bauen darf, dass Glaubenserfahrungen weit über rationale Erkenntnisse hinauswachsen - oft erst im Nachhinein.

Was den Weg nicht nur freundlich und angenehm, sondern wie erlebte "Begnadung" werden ließ, waren die beglückenden Erlebnisse von Gastfreundschaft (im umfassenden Sinne) und von Mitgetragensein. In Franzburg feierten evangelische und katholische Christen die Gebetszeiten mit uns. Ein alter Herr, der zum Morgengebet mit dem Fahrrad zehn Kilometer gefahren kam, sagte im Gespräch: "Man muss sich auf den Weg machen ..." Mit diesem Satz hatte man dann einen Tag lang zu tun.

Oder in Krenz: Wo der Pastor lange auf die verspäteten Wallfahrer wartete, um bei ihrem Einzug die Glocken zu läuten - so wie das in dieser alten Wallfahrtskirche Jahrhunderte üblich war.

In keinem der Quartiere durften wir nur sein - was schon viel wäre, sondern lebten wir Glauben gemeinsam mit Pastoren und Gemeinde. Wo das eine Werk der Barmherzigkeiten, die Gastfreundschaft, in einprägsamer Weise zu uns sprach.

Oder das Ehepaar in Damgarten, ABM bzw. ehrenamtlich, die uns nicht nur "ihre" Kirche voll Liebe zeigten, sondern uns noch bewirteten und einen Teil des Wegs mitkamen. (Ähnlich erlebt auch in Richtenberg.)

Das ist dann ein sehr hilfreiches Umfeld, um sich dem Thema, den Tag von einem anderen Blickwinkel aus, zu nähern. Wo die Vorbereitenden allerdings das Plus haben, sich schon ein ganzes Jahr, (manchmal bis zur Verzweiflung), dem Thema gewidmet zu haben. Im Begleitheft zur Wallfahrt, wie jedes Jahr, kann man manches davon erspüren.

Und wie von anderer Hand eingerichtet, passen dann die Texte des Wallfahrts-Gottesdienstes in Ribnitz ganz genau. Wo es um das Verzeihen geht und um die unendliche Bereitschaft zur Vergebung. Und wo uns der "Gnadenstuhl", eins der Andachtsbilder aus dem Ribnitzer Klaren-Kloster, zur Antwort werden konnte: Gottvater, dessen Hände gefüllt sind von dem gekreuzigten Christus, umsorgt vom Heiligen Geist. "Not Gottes", sagte man früher auch zu dieser Darstellung der Dreifaltigkeit. Eine Not, Not-Wendigkeit, der Barmherzigkeiten. "Aber DU, Herr, vergibst."

So kehrten wir heim, jeder an seinen Ort, jeder umfangen im Gnadenstuhl, von der "Not Gottes". Und im nachhinein, beim Sichten der Fotos vom Wege, erschloss sich nochein Weiteres: Dass Petrus, (mittelalterliche Wandmalerei in Starkow), einen Schlüssel des Freispruchs trägt, der genau der Siegesfahne Jesu bei der Auferstehung entspricht.

Es bleibt dabei: "Ich glaube: Vergebung der Sünden."

 

Ingeborg Bräutigam, Parum

 

Aus: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung

 


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