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Prunkstück mit Altersschwächen: Rita Pentzin und Kai Feller zeigen den „Mühlenaltar“ in der Kirche zu Retschow. Foto: Tilman Baier

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Zehnter Tag der Kirchbauförderer und Sponsoren in Mecklenburg

 

Bereits zum zehnten Mal hatte die mecklenburgische Landeskirche Förderer und Sponsoren zu einem Tag des Dankes und des Austauschs eingeladen – diesmal am 24. Mai 2008 in den Westen des Kirchenkreises Rostock.

 

Ganz vorsichtig öffnet Rita Pentzin mit Unterstützung von Gemeindepastor Kai Feller die gewichtigen Altarflügel. Der sogenannte Mühlenaltar aus den ersten Jahren des 15. Jahrhunderts ist die Kostbarkeit schlechthin in der Kirche zu Retschow bei Doberan. Zum Vorschein kommen Tafelgemälde, die in einem ganz unterschiedlichen Zustand sind: Auf manchen fehlt großflächig die Darstellung, andere haben kleinere Schäden, auf anderen haben die Restauratoren die noch vorhandenen Farbpartien durch Abkleben gesichert. Ein bereits fertiggestellter Altarflügel lässt die Pracht erahnen, zu der dieser für die kleine frühgotische Dorfkirche viel zu raumgreifender Wandelaltar wieder erweckt werden soll. Rund 70 000 Euro habe allein die Wiederherstellung des einen Flügels gekostet, erzählt Rita Pentzin, die hier Kirchenälteste ist und Synodale. Rund 230 000 Euro wird nach Angaben von Kirchenbaurat Karl-Heinz Schwarz die Gesamtrestaurierung kosten.

 

Angesichts dieser Summe gibt es nicht nur Begeisterung im Kirchgemeinderat für das wertvolle Stück, einer von vier Altären in MV, die das Geheimnis des Glaubens durch das Symbol der sogenannte Evangelienmühle darstellen. Denn manche würden sich auch mit einem schlichten Altar zufrieden geben, wenn dafür die Kirche endlich saniert wäre, erzählt Rita Pentzin. Und auch sonst könnte man ja mit so viel Geld so viel in der Gemeinde tun...

 

Manchen in den Kirchgemeinden müssen erst die Augen geöffnet werden für die Schätze, die die Vorfahren uns mit und in den rund 750 Kirchen und Kapellen in Mecklenburg vererbt haben. Dazu tragen die 125 Fördervereine wesentlich bei, die sich die Sanierung und manchmal sogar die Rettung einer Kirche zur Aufgabe gemacht haben. Sie sind ein wichtiger Motor nicht nur bei der Beschaffung von dringend benötigten Finanzen für die Sanierung, sondern auch wichtiger Vermittler in die nichtkirchliche Öffentlichkeit vor Ort hinein. Das wurde auch wieder auf dem „Tag der Förderer und Sponsoren“ betont, zu dem die mecklenburgische Landeskirche in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal eingeladen hatte.

 

Gastgeber für die 175 Teilnehmer auch über MV hinaus waren diesmal, zusammen mit der Bauabteilung des Oberkirchenrates in Schwerin und der Baudienststelle des Kirchenkreises Rostock, die Kirchgemeinden Lichtenhagen Dorf, Retschow (Steffenshagen) und Kröpelin. Der Förderverein von Lichtenhagen Dorf ist einer der ersten, die bald nach dem Ende der DDR gegründet wurde. Er animierte, wie Ursula Schultz in ihrem Vortrag über Bau- und Sanierungsgeschichte dieser Dorfkirche am Rande der Plattbausiedlungen im Rostocker Westen erzählte, weitere Vereinsgründungen. Horst Habrecht, örtlicher Bürgermeister, betonte, dass die Ausstrahlung des Kirchbaufördervereins in der Kommune den Anstoß gegeben habe, sich verstärkt auch um die anderen Denkmale im Dorf wie die alten Bauernhöfe zu kümmern.

 

Lob kam auch von der Landesregierung und vom Landkreis. Besonders die Fördervereine, die sich um die kleinen Dorfkirchen kümmern, würden nicht nur mit Ideenreichtum und Elan einen kunsthistorischen Schatz retten, sondern dem ländlichen Raum Orte des Austauschs und der Besinnung erhalten, betonten der stellvertretenden Landrat Dr. Wolfgang Kraatz und Dr. Enoch Lemcke, Leiter der Kulturabteilung des Bildungsministeriums.

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ heißt nicht umsonst die Ausstellung, die die Bauabteilung des Oberkirchenrates über das Wirken der Fördervereine zu diesem Jubiläum erarbeitet hat. Sie ist als Wanderausstellung konzipiert und kann ausgeliehen werden.

 

Tilman Baier

Aus: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung


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