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Tragischstes Kapitel aufarbeiten und anschaulich darstellen

Greifswalder Dom zeigt Ausstellung zu "Wolfskindern"

09.05.2019 ǀ Greifswald.  Die Wanderausstellung "Wolfskinder: Auf dem Brotweg von Ostpreußen nach Litauen 1945-1948" ist am gestrigen Mittwoch im Greifswalder Dom St. Nikolai eröffnet worden. Sie dokumentiert bis zum 10. Juni das Schicksal von elternlosen Kindern, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem zerstörten Ostpreußen nach Litauen aufmachten, um dem drohenden Hungertod zu entfliehen. Die Schau ist gestützt auf authentische Berichte ehemaliger "Wolfskinder" und wird ergänzt durch Familienfotos, Dokumente und Landkarten. Auf Monitoren werden zwölf gefilmte Berichte in litauischer und deutscher Sprache (mit Untertiteln) gezeigt.

Der Greifswalder evangelische Bischof Hans-Jürgen Abromeit sagte in seinem Grußwort zur Ausstellungseröffnung, dass die Geschichte auf dem Rücken von Menschen ausgetragen werde. "Allzu oft sind die Opfer von Gewalt nicht deren Verursacher." Besonders schmerzhaft werde es dann, wenn Kinder verletzt, entwurzelt und verwaist werden. "Wir haben ihre Schicksale buchstäblich vor Augen."

Abromeit, der selbst ostpreußische Wurzeln hat, sagte zum Ausstellungsort: "Wir sind hier in einem Landstrich, der die Umwälzungen in der Folge des Krieges wie kaum ein anderer verdeutlicht. Die Teilung Pommerns in einen westlichen deutschen und einen östlichen polnischen Bereich, die vielen Flüchtlinge, die hier ankamen und zum Teil mit der Entstehung von zwei deutschen Staaten weiter in den Westen zogen." Diese Schau über Wege, Brüche und Narben nach dem Zweiten Weltkrieg sei in Greifswald also genau am richtigen Ort. Das Litauische Zentrum für die Erforschung von Genozid und Widerstand hatte die Präsentation konzipiert.

Bei den sogenannten Wolfskindern handelte es sich um elternlose Mädchen und Jungen aus Ostpreußen, die sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges ohne Kontakt zu ihren Eltern und Familien ins heutige Litauen durchschlugen. Nach Angaben der Greifswalder Bischofskanzlei wurde ein Teil von ihnen nach der sowjetischen Machtübernahme nach Sibirien verschleppt, einige kamen als Arbeitskräfte bei litauischen Bauern unter, mussten aber ihre Herkunft und Identität verbergen. "Heute leben noch einige Hundert von ihnen in der seit 1990 wieder unabhängigen Republik."
Quelle: epd

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