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Die Wochenandacht im Portal kirche-mv.de

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17.05.2020

Gebet

Von Pröpstin Helga Ruch, Propstei Stralsund

Wahrscheinlich kennen Sie das auch: Der Tag ist ein einziges Gehetze von Termin zu Termin. Die eine Arbeit ist noch gar nicht beendet, da steht die nächste schon auf der Schwelle. Und ein Gefühl der Atemlosigkeit befällt uns und macht uns unruhig.
Von einem Wanderer, der in den Bergen Südamerikas unterwegs war und dabei von einem Einheimischen begleitet wurde, erzählt man sich folgendes: Er merkte plötzlich, dass er seinen Begleiter verloren hatte. Sich umschauend entdeckte er ihn ganz weit hinter sich am Wegesrand sitzend. In der Annahme, er brauche Hilfe, eilte er zurück und fragte: „Was ist los?“. Antwort: „Ich muss warten, damit meine Seele hinterherkommen kann.“
So erlebe ich oftmals das Gebet: Die Chance, die ich meiner Seele gebe, dass sie hinterherkommen kann. Als Raum, in dem ich aufatmen, zu Atem kommen kann.
Und auch als einen Ort, in dem ich sein darf und mich ganz spontan und „unsortiert“ anschauen lassen darf von einem Gott, mit dem mich ein tiefes Vertrauen verbindet.
Und noch eins: Menschen, für die ich bete, Situationen, die ich Gott hinhalte, Ängste, die ich mit Ihm teile ebenso wie die Glücksmomente…all das sehe ich in diesem „Gebetsraum“ in einem anderen Licht, in einer anderen Nähe und auch vom Glanz der Hoffnung umgeben. In Zeiten wie der, die wir gerade jetzt erleben, ganz besonders wichtig und tröstlich.


10.05.2020

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder! Psalm 98,1

Von Propst Marcus Antonioli, Propstei Wismar

Der heutige Sonntag heißt "Kantate", das heißt "singet". Singt dem Herrn ein neues Lied! In diesem Jahr können wir jedoch nur mit Hindernissen gemeinsam singen. Jedoch Gottesdienst ohne Musik und Gesang ist für mich kaum vorstellbar! Gemeinsam geht das in diesen Corona-Zeiten am besten draußen, vielleicht noch mit Mundschutz.  Denn das was sonst so vertraut, tröstlich und sogar heilsam für unsere Seelen ist, kann derzeit fatal infektiös sein.

Ich befürchte, dass in diesen Wochen Menschen tatsächlich verstummen, weil sie schon viel zu lange allein sind, weil Sorgen drücken und Angst die Luft zum Atmen nimmt. Totenstille. - Doch plötzlich ist da eine Melodie, eine alte Liedzeile, ein Psalm, wie ein Echo aus längst vergangenen Zeiten. Wie der glimmende Docht ein Feuer entzünden kann, so kann ein Lied sich Bahn brechen, uns verwandeln und beleben. Ganz überraschend lässt Gott dann die Sonne auch blicken ins finstere Herze mein.

In den Resonanzen der Musik erleben wir die faszinierende Nähe Gottes auf wunderbare Weise. Beim Singen können wir uns selbst in den vielstimmigen Chor der Glaubenden und der Zweifelnden einschwingen. Darüber hinaus verbindet uns das gemeinsame Loben und Danken unsichtbar mit allem, was da lebt. In diesem Lied klingt mein Leben.

Kein Wunder, dass viele das gemeinsame Singen so schmerzlich vermissen. Da rebelliert vor lauter vernünftig sein schon mal das Herz. Darum werden wir erfinderisch, um die alten und neuen Lieder erklingen zu lassen. Da gibt es das Balkonsingen, Internetkonzerte oder wir singen unbeirrt vor unseren Bildschirmen und Lautsprechern doch irgendwie gemeinschaftlich. Ich sing dir mein Lied von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen!

Sollte unser Loblied jemals verstummen, dann wären auch all die Wunder vergessen, die Gott unter uns Menschen getan hat. In dem Moment, in dem wir aufhören, Gott als Freund und Freundin des Lebens zu preisen, werden wir blind für sein heilsames Wirken mitten unter uns, in unserer Welt. Darum: Ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd!

03.05.2020

Einander dienen

Von Propst Wulf Schünemann, Propstei Rostock

Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!
Monatsspruch Mai 2020 - 1.Petrus 4,10


„Herr, wie ist Dein Tierreich groß“ - wundert sich die ältere Dame.
Und sie staunt darüber nicht, weil sie mal wieder einen Tierfilm in Breitformat und Farbe angesehen hat. Sie meint damit weder Quastenflosser noch Blauwale.   
Der Spruch entgleitet ihr immer dann, wenn sie von eigentümlichen Menschen hört, die sich etwas anders benehmen als die anderen. Und es ist liebevoll gemeint. Ja so sind sie, die Menschen in ihrer großen Vielfalt: in ihren Angewohnheiten, ihren Reaktionen, ihrem Reden und Tun, ihren Macken. Manchmal kann man sich nur wundern.
Viele regen sich ja über die anderen auf. Wer anders ist, die Welt anders sieht und quer denkt und unkonventionelle Schritte geht, kann schnell in einem shitstorm untergehen.

„Herr, wie ist Dein Tierreich groß“ - da steckt der Glaube drin, dass wir alle Geschöpfe des großen DU sind, auch die Unbequemen und diejenigen, die mich durch ihr Anderssein infrage stellen oder einfach nur nerven.

Auch in Coronozeiten mit ihren speziellen Herausforderungen wird deutlich, wie verschieden wir ticken. Da sind die ganz Behutsamen, von denen die anderen sagen, sie seien zu ängstlich. Und da sind die Wagemutigen, von denen die anderen sagen, sie seien unverantwortlich. Und am Ende möchten alle, dass es ausdiskutiert und entschieden wird, wer nun Recht hat.
Ich sehe diese unterschiedlichen Reaktionsweisen eher als verschiedene Begabungen unter uns, die durch unsere ganz persönlichen Lebenserfahrungen Gestalt gewonnen haben. Der Petrusbrief will uns verführen, einander mit unseren Gaben zu dienen und nicht darauf zu beharren, dass der andere doch meine Erkenntnis endlich anerkennen soll.

Es hätte schon etwas, wenn die Abgeklärten den ganz Vorsichtigen helfen würden, einen Teil ihrer Angst zu überwinden und wenn die Zurückhaltenden den Forschen etwas den Blick für andere und das Ganze weiten könnten. Einander dienen eben, dem anderen meins zur Verfügung stellen und mich durch den anderen hinterfragen lassen. Das verstehe ich unter gutem Verwalten der vielfältigen Gnade Gottes unter uns, die zum Glück jeder und jedem gegeben ist.

26.04.2020

"Gute Hirten“

Von Propst Andreas Haerter, Propstei Pasewalk

Gott Lob der Sonntag kommt herbei, die Woche wird nun wieder neu! Auch wenn der Weg zur gottesdienstlichen Feier in der Heimatkirche ausbleiben muss: Den Ruf der Glocken zu Andacht und Gebet, den hören wir. Die Einen schalten nun Computer oder Fernsehgerät an und praktizieren ein Stück Gemeinschaft der Glaubenden am Bildschirm. Andere nehmen den sonntäglichen Brief ihrer Kirchengemeinde zur Hand und lesen, was ihre Pastorin oder ihr Pastor ihnen zum heutigen Sonntag vorbereitet hat. Wie schön, solch einen persönlichen Gruß im Briefkasten zu finden!

Das Thema des Sonntags scheint diesmal wie für uns geschaffen! In früheren Jahren kam es uns eher altbacken vor, irgendwie wenig passend zu unserem Lebensgefühl. Da war die Rede von einem Hirten und seiner Schafherde. Dem stemmte sich schon einmal unser Selbstverständnis als Bürgerin und Bürger in einer freiheitlichen Demokratie entgegen. Manchen Pastoren unserer Kirche klang dann auch noch die süffisante Frage des Reporters in den Ohren: „Wie geht es denn ihren Schäfchen?“ Heute aber ist alles ganz anders. Unsere Gesellschaft bemerkt gerade, wie hilfreich und wohltuend es sein kann, auf Menschen zu treffen, denen wir einen Vertrauensvorschuss geben können; Menschen, denen wir für die Lösung einer konkreten Aufgabe gern Autorität zubilligen wollen. Hauen und Stechen auf der Leitungsebene empfindet momentan niemand als hilfreich. Unsere Regierung steht erfreulicherweise zusammen, hört auf die Fachleute. So stellen wir uns eine gute Führung in Krisenzeiten vor.

So wie die Bürgerinnen und Bürger im Allgemeinen keine dummen Schäfchen sind, so sind es auch nicht die Bürgerinnen und Bürger christlichen Glaubens. So wie wir es honorieren, wenn unsere Regierenden sich hin und wieder als „gute Hirten“ zu erkennen geben, so dürfen wir Christen an diesem Sonntag erfreut, dankbar und verständig darüber nachdenken, was es damit auf sich hat, wenn Jesus sagt: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht...“ (Joh. 10,11 ff.)

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!
Ihr Andreas Haerter

19.04.2020

Neubeginn

Von Tilman Jeremias, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern

Dieser Sonntag klingt wie eine Verheißung: Neugeburt! Neubeginn in der großen Krise: „Quasimodogeniti“, „Wie die neugeborenen Kinder“. Erste Lockerungen, bald wieder Schule und Gottesdienste, die Sehnsucht nach Normalität. Eine Vorahnung, dass das Leben weitergeht trotz der lebensbedrohlichen Pandemie. Könnten wir an diesem Sonntag schon Gottesdienste besuchen, würden wir in der Predigt herrliche Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja hören, wie so ein Neuanfang aussehen könnte: „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“ (Jesaja 40,31)

All denen, die müde sind von der sozialen Isolation, von den ständig neuen Informationen über die Infektionsrate und über Einschränkungen, von den Sorgen um die gefährdeten Liebsten, all denen verspricht der Prophet an diesem österlichen Sonntag neue Kraft und neue Perspektive. Gott selbst ist es, der diese neue Kraft schenkt. In der Taufe wird dieses Geschenk Wort und Zeichen.

Quasimodogeniti, „Wie die neugeborenen Kinder“ – manche nennen ihn auch „Weißen Sonntag“: In der Alten Kirche bekamen die Menschen, die an Ostern getauft wurden, weiße Kleider als Zeichen der Neugeburt, um sie eine Woche lang zu tragen. Am weißen Sonntag legten sie diese Kleider ab und gehörten von nun an als Mitglieder zur Gemeinde.

Ich kann in diesen Tagen der Krise immer wieder Zartes entdecken, das sich nach Neugeburt anfühlt: Da verteilen 60 syrische Geflüchtete in Stralsund Flyer, dass sie bereit sind, in Coronazeiten Hilfe zu leisten. Sie könnten einkaufen gehen, in der Landwirtschaft mit anpacken oder anderes. Deutschland habe ihnen nach ihrer Flucht so viel Gutes getan, jetzt wollten sie ein wenig davon zurückgeben. Welch ein schönes Angebot!

Da bekommen endlich diejenigen Anerkennung und Applaus, deren Arbeit sonst so schlecht bezahlt scheinbar im Verborgenen geschieht: Verkäuferinnen, LKW-Fahrer, Pflegerinnen. Dankbar entdecken wir gerade, dass sie es sind, die Tag für Tag Lebenswichtiges für uns leisten. Das sollten sie nach Corona auch auf ihrem Lohnzettel merken können.

Und da geschieht quasi über Nacht Digitalisierung im Zeitraffer, auch bei uns in der Kirche. Geistliches, Bildung und Kultur gibt es auf einmal in bunter Vielfalt und Kreativität im Internet zu bestaunen. Was politische Sonntagsreden jahrzehntelang vergeblich gefordert haben, haben wir nun in kürzester Zeit geschafft.

Neugeburt heißt nicht, dass alle Probleme sich in Luft auflösen. Auch getauftes Leben bleibt gefährdetes und sterbliches Leben. Neugeburt heißt, wach zu spüren, wie Gottes Geist für neue Kraft und neuen Mut sorgt. Dafür gibt es an Quasimodogeniti genug Anlass, auch in Zeiten der Seuche. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen eine gesegnete österliche Woche voller Anzeichen des Neubeginns!

12.04.2020

"Bring den Stein ins Rollen!“

Von Propst Gerd Panknin, Propstei Demmin

Eine tolle Idee die Aktion Ostersteine. Viele unserer Gemeinden sind dabei. Die Osterfreude verstecken und suchen und irgendwann auch finden. Klasse.
Zwischen Karfreitag und Ostern habe ich meinen Osterstein schon gefunden. Zarte Blume sind darauf gemalt, weil Gottes großer Garten mir besonders jetzt im Frühling unendlich viel Freude macht. Neben der Blume ist auf dem Stein ein kleiner Felsen gemalt. Es ist nicht nur alles Freude im Augenblick. Es gibt auch manche Steine, die uns an diesem Ostern auf dem Herzen liegen. „Wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß!“, sagt der Psalmbeter. Auch Gott ist manchmal in seinem Handeln und in seinen Gedanken für uns nicht zu verstehen. Das haben auch die Frauen am Ostermorgen erfahren. Es ist Dunkel und Finster, und Gott ist in diesem Dunkel des verschlossenen Grabes verborgen, nicht zu begreifen, nicht zu fassen.

Als die drei Frauen zum Grab kamen, war der Stein vom Eingang des Felsengrabes weggewälzt. Sie gingen in das Grab, sahen dort eine helle Gestalt und hörten:
Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden. Geht zurück. Sagt seinen Freunden: Jesus lebt. Der schwere Stein vor seinem Grab ist weggerollt. Habt keine Angst mehr.

Markus erzählt am Ende seiner Ostergeschichte, dass die Angst und die Furcht der Frauen bleibt. Und dennoch hat das Erlebnis am leeren Grab in ihnen etwas ausgelöst. Nicht nur der große Stein ist ins Rollen gekommen. Auch sie selbst sind bewegt. Aus dem verborgenen Gott wird am Ostermorgen, der sich offenbarende Gott, der Gott, der uns Menschen in Jesus Christus grenzenlos liebt. Die Steine, Sorgen und Fragen dieser Tage bleiben, aber sie müssen uns nicht erdrücken. So bekommt manches Schwere und Unfassbare im Leben, seine besondere Tiefe, weil wir es zusammen durch tragen durften und dafür auch die Kraft bekamen. Wenn ich „wir“ sage, ist mir das besonders wichtig. Es gibt Steine, die kann ich alleine nicht bewegen, geschweige denn tragen. Gemeinsam aber ist dies möglich. Das ist auch ein Bild für diese Zeit. Sie trennt uns nicht. Sondern sie weist uns aneinander. Grade jetzt in diesen Tagen, wo wir Abstand halten müssen, können wir einander dennoch nahe sein. Es ist ein Aneinander-Denken. Es ist ein Füreinander-Beten. Es ist ein  Miteinander-Reden und ein Aufeinander-Hören. Was aus dieser Nähe wächst, liegt bei Gott. Hier werden die vielen Sorgen und Fragen dieser ungewöhnlichen Tage nicht  kleingeredet oder abgeschoben, sondern ausgehalten und miteinander getragen. Der Osterstein sagt: Nichts im Leben wiegt so schwer , dass es uns für immer und ewig drücken muss , nicht der Tod und nicht das Leben. Ich wünsche uns ein gesegnetes Osterfest, das Steine ins Rollen bringt.


05. April 2020

Die Dinge anders denken

Von Pröpstin Britta Carstensen, Propstei Neustrelitz

Die Leute jubeln: Unser König kommt, eine neue Zeit beginnt. Der Mann auf dem Esel weiß: Ja, sie hat begonnen – aber anders, als ihr es erwartet. 

Eine Frau salbt Jesus mit kostbarem Parfumöl. Die einen sagen: Was für eine sinnlose Verschwendung! Jesus sagt: Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Körper vorbereitet auf das Begräbnis.

Zwei kleine Szenen aus den letzten Lebenstagen von Jesus. Er versucht, seine Freunde auf das Kommende vorzubereiten. Dabei denkt und deutet er die Dinge anders als sie. Denn er ahnt: Er wird leiden und sterben. Und wirklich: Was am Palmsonntag in Jerusalem mit Jubel und Lobgesang beginnt, endet schon wenige Tage später schrecklich am Kreuz. Jesus leidet. Menschen leiden. Das ist eine an Leib und Seele erfahrene, oft verzweifelte Realität.

Dieses Jahr wird die Karwoche im wahrsten Sinne des Wortes eine stille Woche. Das öffentliche Leben liegt brach, wir können uns nicht frei bewegen. Die Ansteckungsgefahr durch das Corona-Virus bleibt weiterhin hoch. Und das Leid rückt näher als sonst. In Krankenhäusern und Pflegeheimen ist die Lage sichtlich  angespannt. Menschen sterben. Und jeder kennt jemanden, der sich zu Recht Sorgen um seine Zukunft macht. Weil der Betrieb geschlossen hat, weil die wirtschaftliche Existenz auf dem Spiel steht.

Was kann jetzt Halt geben, Hoffnung sein? Ich versuche, heute vom Ostermorgen her zu denken und zu glauben. Das ist und bleibt nicht nur in der Karwoche ein Aushalten, ein Wagnis. Denn der Ausgang liegt in Gottes Hand. Doch ich vertraue darauf, dass Gott auch in schweren Zeiten Wege weiß, die mir und anderen (noch) verschlossen sind. Und dass ich und andere sie mit seiner Hilfe finden und gehen können.

In diesem Vertrauen: Was werden wir wohl über diese Wochen sagen, wenn sie irgendwann vorüber sind? Vielleicht, dass nicht alles nur Notlage und Verlust war. Was könnten wir erfahren haben? Zum Beispiel, dass wir miteinander verbunden blieben - nur anders. Dass wir uns trotz Einschränkungen nicht aus den Augen verloren haben. Denn Handy und Computer waren echte Hilfen. Dass Solidarität, Rücksichtname und Höflichkeit unsere Gesellschaft weiter gebracht haben als Egoismus und Pöbeleien. Dass Familie und Freunde ein Schatz sind. Dass gelebte Nachbarschaftshilfe ein Viertel lebenswert macht, dass Homeoffice und Internet-Teaching  echte Alternativen sind und die Videokonferenz im Job auch. Wie überflüssig einige Zeitfresser schon immer waren und wie gut es tut, wenn die Uhr auch mal langsamer tickt. Dass Gottesdienste und Seelsorge in den neuen Medien bella figura machen – und was das für eine Bereicherung ist! Und dass um 19 Uhr in vielen Fenstern immer noch eine Kerze zum Gebet für alle Menschen brennt.


29. März 2020

Neue Aufmerksamkeiten

Von Propst Dirk Sauermann, Propstei Parchim

Die Corona Welt bekommt nach und nach Züge von Alltäglichkeit. Der sogenannte Shutdown wird überall in der Gesellschaft umgesetzt und das alles in unglaublicher Geschwindigkeit. Viel schneller, als sich Gesellschaft zu normalen Zeiten bewegt, wurde das öffentliche Leben heruntergefahren. Solche Bremsungen erzeugen Reibungen, Ängste und auch Schmerzen an Körper, Geist und Seele.

Und doch verfangen vertraute Sprüche wie auch sonst in außergewöhnlichen Situationen: Das Leben muss ja irgendwie weitergehen. Vieles aber ist anders geworden. Es entstehen neue Aufmerksamkeiten für Mitmenschen.

Beeindruckend, wie dabei auch in der Kirche großartige Ideen, Menschen zu erreichen und zu begleiten, Raum greifen. Die oft geforderte Verkehrung, von der Komm- zur Gehstruktur in der kirchlichen Arbeit zu wechseln, wird realer. Es macht so richtig Freude, dabei die vielfältigen Möglichkeiten des Internets und der sozialen Medien zu entdecken. Freilich dürfen wir die Menschen nicht außen vor lassen, die damit nicht vertraut sind. Für sie braucht es den Brief und das Telefongespräch.

Und doch, die neue kirchliche Geschäftigkeit, in der wir jetzt vielfach handeln, ist Dienst, auch in dieser Zeit. Sie ist kein Selbstzweck, sondern Folge des Christusweges.

Wer sein Handeln als Dienst versteht, schaut mit dem Wochenspruch aus dem Matthäusevangelium auf Christus, den Befreier für unseren Dienst.

„Der Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“ Mt. 20, 28

Gott sei Dank – es hängt nicht alles von uns ab, von dem, was wir uns so reichlich und phantasievoll ausdenken. Das alles ist gut, wenn es auf den weist, der uns schon immer gedient hat.

Missionare bekamen früher den Rat mit auf den Weg: „Denkt nur nicht, ihr brächtet Christus irgendwo hin! Macht vielmehr die Augen auf und schaut, wo er bereits am Werk ist.

Ein schöner Gedanke: Ausschau halten, wo Gott schon am Wirken ist! Wo sein Geist vielleicht schon längst Menschen berührt hat! Schauen, wo Christus bereits am Werk ist und seinen Dienst annehmen in der Krise.


22. März 2020

Trost

Von Pröpstin Helga Ruch, Propstei Stralsund

Eine Woche liegt hinter uns, die war sehr anders als sonst.
In der Einschränkung des sozialen Lebens wird deutlich, welch eine Kostbarkeit es ist, dass Menschen miteinander leben, sich austauschen, Kontakt haben.
Aus guten Gründen haben wir diese Kostbarkeit für eine noch nicht abzusehende Zeit zur Seite legen müssen.
Die erschreckenden Nachrichten aus Italien; das beängstigende Gefühl, es wird auch uns in einem ganz anderen Ausmass erreichen, die eindringlichen Worte der Bundeskanzlerin, kein Tag ohne neue und immer höhere Zahlen von infizierten und betroffenen Menschen…
da scheint es nur folgerichtig, dass wir mitgerissen werden in den Sog von Angst und Panik, von Depression und Resignation.
Folgerichtig?
Der kommende Sonntag setzt ein anderes, helles Zeichen:
Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; Jes. 66, 13a
Das brauchen wir - dringend. Wir brauchen den Zuspruch: Du bist nicht allein in diesen Tagen. Ich, Gott, bin an deiner Seite. Es ist eben gerade nicht ein unberechenbares Virus, das dein Leben hält und bestimmt.
Ein Foto hat sich mir eingeprägt: Der segnende Christus auf dem Corcovado, dem Hausberg der Stadt Rio de Janeiro, seit einigen Tagen mit einer großen Weltkugel auf dem Herzen.
Ich wünsche uns, dass uns diese Gewissheit trägt und tröstet.


15. März 2020

Vertrauen

Von Tilman Jeremias, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern

Wie schnell unser sorgsam geordnetes Leben aus dem Gleis geraten kann! Hamsterkäufe, Veranstaltungs-absagen, Schulschließungen, das bestimmt auf einmal unseren Alltag. Da kann es leicht passieren, dass man mitgerissen wird in einen Strudel aus diffuser Verunsicherung oder gar in Panik gerät. Paulus saß im Gefängnis, als er folgenden Vers an seinen Mitarbeiter Timotheus schrieb:
 
Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Verzagtheit sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (2 Timotheus 1,17)
 
Der Apostel sagt nicht einfach „Du brauchst keine Angst zu haben, Gott regelt das schon“. Er weiß, dass die Angst zum Leben dazu gehört, und er weiß, dass Krisen zum Leben dazugehören. Doch er setzt ihnen deutliche Grenzen: Wir, die Kinder Gottes, sind den Umständen und unseren Gefühlen nicht machtlos ausgeliefert. Gott hat uns beschenkt mit seiner Kraft, mit Liebe und mit Besonnenheit. Was für eine Zusage! Vertrauen wir darauf.


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