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Die Wochenandacht im Portal kirche-mv.de

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29. März 2020

Neue Aufmerksamkeiten

Von Propst Dirk Sauermann, Propstei Parchim

Die Corona Welt bekommt nach und nach Züge von Alltäglichkeit. Der sogenannte Shutdown wird überall in der Gesellschaft umgesetzt und das alles in unglaublicher Geschwindigkeit. Viel schneller, als sich Gesellschaft zu normalen Zeiten bewegt, wurde das öffentliche Leben heruntergefahren. Solche Bremsungen erzeugen Reibungen, Ängste und auch Schmerzen an Körper, Geist und Seele.

Und doch verfangen vertraute Sprüche wie auch sonst in außergewöhnlichen Situationen: Das Leben muss ja irgendwie weitergehen. Vieles aber ist anders geworden. Es entstehen neue Aufmerksamkeiten für Mitmenschen.

Beeindruckend, wie dabei auch in der Kirche großartige Ideen, Menschen zu erreichen und zu begleiten, Raum greifen. Die oft geforderte Verkehrung, von der Komm- zur Gehstruktur in der kirchlichen Arbeit zu wechseln, wird realer. Es macht so richtig Freude, dabei die vielfältigen Möglichkeiten des Internets und der sozialen Medien zu entdecken. Freilich dürfen wir die Menschen nicht außen vor lassen, die damit nicht vertraut sind. Für sie braucht es den Brief und das Telefongespräch.

Und doch, die neue kirchliche Geschäftigkeit, in der wir jetzt vielfach handeln, ist Dienst, auch in dieser Zeit. Sie ist kein Selbstzweck, sondern Folge des Christusweges.

Wer sein Handeln als Dienst versteht, schaut mit dem Wochenspruch aus dem Matthäusevangelium auf Christus, den Befreier für unseren Dienst.

„Der Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“ Mt. 20, 28

Gott sei Dank – es hängt nicht alles von uns ab, von dem, was wir uns so reichlich und phantasievoll ausdenken. Das alles ist gut, wenn es auf den weist, der uns schon immer gedient hat.

Missionare bekamen früher den Rat mit auf den Weg: „Denkt nur nicht, ihr brächtet Christus irgendwo hin! Macht vielmehr die Augen auf und schaut, wo er bereits am Werk ist.

Ein schöner Gedanke: Ausschau halten, wo Gott schon am Wirken ist! Wo sein Geist vielleicht schon längst Menschen berührt hat! Schauen, wo Christus bereits am Werk ist und seinen Dienst annehmen in der Krise.


22. März 2020

Trost

Von Pröpstin Helga Ruch, Propstei Stralsund

Eine Woche liegt hinter uns, die war sehr anders als sonst.
In der Einschränkung des sozialen Lebens wird deutlich, welch eine Kostbarkeit es ist, dass Menschen miteinander leben, sich austauschen, Kontakt haben.
Aus guten Gründen haben wir diese Kostbarkeit für eine noch nicht abzusehende Zeit zur Seite legen müssen.
Die erschreckenden Nachrichten aus Italien; das beängstigende Gefühl, es wird auch uns in einem ganz anderen Ausmass erreichen, die eindringlichen Worte der Bundeskanzlerin, kein Tag ohne neue und immer höhere Zahlen von infizierten und betroffenen Menschen…
da scheint es nur folgerichtig, dass wir mitgerissen werden in den Sog von Angst und Panik, von Depression und Resignation.
Folgerichtig?
Der kommende Sonntag setzt ein anderes, helles Zeichen:
Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; Jes. 66, 13a
Das brauchen wir - dringend. Wir brauchen den Zuspruch: Du bist nicht allein in diesen Tagen. Ich, Gott, bin an deiner Seite. Es ist eben gerade nicht ein unberechenbares Virus, das dein Leben hält und bestimmt.
Ein Foto hat sich mir eingeprägt: Der segnende Christus auf dem Corcovado, dem Hausberg der Stadt Rio de Janeiro, seit einigen Tagen mit einer großen Weltkugel auf dem Herzen.
Ich wünsche uns, dass uns diese Gewissheit trägt und tröstet.


15. März 2020

Vertrauen

Von Tilman Jeremias, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern

Wie schnell unser sorgsam geordnetes Leben aus dem Gleis geraten kann! Hamsterkäufe, Veranstaltungs-absagen, Schulschließungen, das bestimmt auf einmal unseren Alltag. Da kann es leicht passieren, dass man mitgerissen wird in einen Strudel aus diffuser Verunsicherung oder gar in Panik gerät. Paulus saß im Gefängnis, als er folgenden Vers an seinen Mitarbeiter Timotheus schrieb:
 
Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Verzagtheit sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (2 Timotheus 1,17)
 
Der Apostel sagt nicht einfach „Du brauchst keine Angst zu haben, Gott regelt das schon“. Er weiß, dass die Angst zum Leben dazu gehört, und er weiß, dass Krisen zum Leben dazugehören. Doch er setzt ihnen deutliche Grenzen: Wir, die Kinder Gottes, sind den Umständen und unseren Gefühlen nicht machtlos ausgeliefert. Gott hat uns beschenkt mit seiner Kraft, mit Liebe und mit Besonnenheit. Was für eine Zusage! Vertrauen wir darauf.


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