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Andacht auf dem Synodenatag am 26.8.2006 in Züssow von Polizeipfarrer Andreas Schorlemmer

 

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus. (Kol. 3, 17)

 

 

Der Name

 

Jede und Jeder, der unter diesem Namen zu sprechen beginnt, steht in dem Spannungsfeld zwischen Maß und Anmaßung

 

Wer bin ich, wer bist du, daß wir für uns in Anspruch nehmen, im Namen Gottes reden zu können. Sind wir, in allem, was wir sind, diesem Anspruch gewachsen?

 

Das wahrhafte und das verfehlte Wort liegen unmittelbar beieinander.

 

Jede und Jeder, der unter diesem Namen zu sprechen beginnt, steht im Spannungsfeld zwischen Freiheit und Bindung

 

Freies Sprechen ist an den Freispruch Gottes gebunden, an das freimachende Wort, das Freiheit ohne Bindung ausschließt.

 

Jede und Jeder, der unter diesem Namen zu sprechen beginnt, steht im Spannungsfeld zwischen richtig und falsch.

 

Billiges und alles billigendes schwarz - weiß Denken ausgeschlossen, wir sind jederzeit in der Lage, Falsches mit gutem Gewissen zu vertreten.

 

Wer über diesen Dingen, das Gespräch, die Auseinandersetzung, den Streit meidet, meidet auch die eigene Auseinandersetzung mit dem Wort

 

 

Das Gespräch

 

Soweit ich mich erinnern kann, haben wir immer miteinander gesprochen, die Mecklenburger mit den Pommern und die Pommern mit den Mecklenburger.

 

An den Grenzen und über die Grenzen hinaus.

 

Nun sind wir auf dem Weg, die Grenzen zwischen unseren beiden Kirchen gänzlich abzubauen.

 

Dabei sollte außer Frage stehen, dass sich das Reden über den Weg und das Ziel an dem Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes messen lassen muß und die Spannungen zwischen Maß und Anmaßung, Freiheit und Bindung, richtig und falsch eingeschlossen sind.

 

Vieles ist, kaum gesprochen oder geschrieben, schon zerschreddert worden.

 

Aber die Sprache des Gebetes hat uns immer wieder eingeholt.

 

Ich sage das als Mitbeteiligter an den Gesprächen und ohne religiöse Sentimentalität.

 

Das Gebet ist unsere innerste Kraft.

 

Sonst hätten wir uns längst zerstritten.

 

Wir haben ein angemessenes Streitpotential.

 

Es zu verschweigen wäre unredlich.

 

Im Großen groß - und im Kleinen kleinherzig, kleinmutig, kleingeistig, ist eine Falle, in die wir immer wieder hineintappen.

 

Auch die Erkenntnis, daß wir mitunter nicht dem anderen, sondern nur uns selbst im Wege stehen, gehört dazu.

 

Unsere Gebete aber haben die Kraft erwiesen, Spannungen zu lösen, gegeneinander streitend miteinander demütig zu werden.

 

Gebete wollen Spannungen nicht verklären, sondern das uns Verspannende klären.

 

Was wir im Namen des Vaters, erbitten an Verständnis, Einsicht, ist noch nie spurlos vorüber gegangen.

 

Die Starken werden schwach und die Schwachen stark, die ausgleichende Kraft des Betens ist unsere Stärke.

 

 

Die Synode

 

Die Synode heute hat nichts zu beschließen.

 

Es gilt das Feld zu erschließen, auf dem wir uns jetzt bewegen.

 

Das Zusammenwachsen zu fordern und zu fördern.

 

Wir müssen es.

 

Wir sollen es.

 

Wir wollen es.

 

Das Müssen entspricht dem Gebot der Stunde.

 

Keine unserer beiden Kirchen kann sich auf Dauer noch selbst finanzieren.

 

Das Sollen gleicht der Vernunft,

 

Kräfte und Vielfalt der Gaben in einer sich entchristlichenden Kultur zu bündeln.

 

Das Wollen drückt unsere Hoffnung aus, im Einswerden zu wachsen.

 

Diesseits, noch vor dem Jenseits.

 

 

Die Brücke

 

Vor uns allen liegt ein Bild.

 

Die Brücke von Nehringen, die seit Jahrhunderten Pommern und Mecklenburg verbindet.

 

In ihren drei Teilen sehe ich das Müssen, das Sollen und das Wollen.

 

Das Müssen und das Sollen zu je einer Seite fest an den Ufern der harten Wirklichkeit verankert und das Wollen, die eigentliche Brücke dazwischen.

 

Das Wollen, die Mitte, sehe ich wie etwas Leichtes, Schwebendendes.

 

Ohne dieses Wollen, das miteinander Schwebenkönnen, ohne unsere Hoffnungen, ohne unser Zutrauen, ohne unseren Glauben bleiben das Muß und das Soll nur als Zwangsverhalten zurück.

 

 

Das Beten

 

In einem Lied von Paul Gerhard heißt es: Gott läßt sich garnichts nehmen, es muß erbeten sein.

 

Einswerden denken.

 

Einswerden gestalten.

 

Ohne Beten bliebe es ohne Gott.

 

Ich wünsche unserer Synode, aus der Kraft des Gebetes zu wachsen.

 

Darum wollen wir uns jetzt von unseren Plätzen erheben und gemeinsam das Vaterunser beten.

 

Vater unser..

 

 

 

 


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