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Arbeit mit Frauen in den Kirchenkreisen Mecklenburg und Pommern

Andacht


April 2017

…auch Österliches

Der reformatorische Anspruch ist ein Leben in Mündigkeit und die Fähigkeit jedes  Menschen zu eigenem Verstehen und Denken. Daran werden wir im Lutherjahr oft erinnert. Darüber hinaus ist es der Anspruch aller, die sich einem aufrechten Leben verpflichtet fühlen. Diese Sätze klingen plausibel und fast ein bisschen heroisch. Sie sind nicht so ohne weiteres zu füllen.

Im örtlichen Gemeindebrief findet sich in der April/Mai-Ausgabe ein Satz (von Sabine Dübern), der mir nahe geht: „Man kann den Worten nicht mehr trauen, weil die Grundlage der Sprache einen Riss bekommen hat.“ Gemeint sind hier die Worte von Menschen, die viel Enttäuschung mit sich gebracht haben und weiterhin bringen.

Der Riss zieht es nach sich, Vertrauen zu verlieren. Ohne Vertrauen scheint mir unser menschliches Leben einigermaßen schwierig zu sein und auch schwierig zu gestalten im Zusammensein.

Auf was vertrauen wir? Auf Gottes Botschaften, das kann ich einfach so sagen. Wir Christenmenschen finden sie in der Bibel. Da stehen die Worte, sozusagen „schwarz auf weiß“. In der klassischen Kalligrafie wird das noch deutlicher. Gestaltet wird der Text auf dem Blatt mit schwarz und weiß – dem Schwarz der Buchstaben und dem Weiß der Leerstellen. Beide ausgewogen komponiert lassen Harmonie entstehen. Schwarze Buchstaben sind zunächst eine feste Größe. Weiße Leerstellen lassen uns die Möglichkeit zu Eigenem. Was bewegen oder bewirken die Buchstaben, Wörter, Sätze in unserem Herzen? Wie kann ich sie verstehen, welchen Raum eröffnen sie für mein Denken, Fühlen und Handeln?

Christi Leben und Tod und Auferstehung sind in der Bibel beschrieben. Sein Kreuzestod, schmerzvoll, sein verzweifelter Ruf nach Gott ist uns in der nachösterlichen Zeit besonders nah. Mir kommen Gedanken wie „das Kreuz – so schwarz wie die Buchstaben und so unverrückbar – so wahr – Jesus Verzweiflung – nicht wegzudiskutieren – das Leid kulminiert in seinem Schrei. Aber dann ist da auch die Leerstelle  - die Grabkammer ist leer – Maria, die Jünger, alle sind verwirrt, suchen – nach dem Toten, wenigstens diese Gewissheit soll doch bleiben. Die wird nicht erfüllt. Das Denken, Fühlen kommt heillos durcheinander und doch: das göttliche Wort kommt und hilft. Es ist durch nichts zu erschüttern, da gibt es keinen Riss, da ist im Wandel Trost, Zuspruch und Vertrauen zu erfahren tief hinein ins eigene Leben.

Antje Heinrich-Sellering
Ausschuss für die Arbeit mit Frauen im Sprengel Mecklenburg und Pommern