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Arbeit mit Frauen in den Kirchenkreisen Mecklenburg und Pommern

Andacht


Januar 2018

Über Maria Sibylla Merian

„Wenn je ein Frauenzimmer lebte, welches auf einen bleibenden Ruhm und innige Hochachtung mit Recht Anspruch machen konnte, so ist es die berühmte Maria Sibylla Merian“, schrieb der deutsche Universalgelehrte Friedrich Karl Gottlob Hirsching.

Zum 300. Todestag 2017 würdigten verschiedene Ausstellungen die Künstlerin Maria Sibylla Merian. Mit ihren detailgetreuen Pflanzen- und Insektenbildern beeinflusst sie die Malergenerationen.

In diesem Jahr 2018 ist Surinam das Land der Weltgebetstagsordnung.
Zwei Jahre lebte Maria Sibylla Merian mit ihrer Tochter dort. Ihr Mut zu dieser Reise ist bewundernswert, denn die Reise war gefährlich. Begleitet und unterstützt von Ureinwohnern und afrikanischen Sklaven unternahm sie viele Forschungsausflüge in den Urwald Surinams. Es entstanden naturwissenschaftliche Bilder der Pflanzen- und Insektenwelt Surinams, die sie in Büchern veröffentlicht. Diese Bücher begründeten ihren Ruf als Naturforscherin und ließen die Menschen in Europa in eine Pflanzen- und Insektenwelt eintauchen, die ihnen bisher unbekannt war.

Der Name Merian ist manchen durch die Merian-Bibel bekannt.(und Merian-Hefte) Diese reich mit Kupferstichen bebilderte Lutherbibel gehört zu den schönsten gedruckten Bibeln. Herausgegeben hat sie Sibyllas Vater Matthäus Merian 1630 in Frankfurt, lange vor ihrer Geburt 1647. Der Vater starb, als Sibylla 3 Jahre alt war. Er hinterließ seinen Kindern nicht nur seine Verleger-Werkstatt, sondern prägte die Familie auch mit seiner Frömmigkeit. Die Familie gehörte dem reformierten Glauben an, was im lutherischen Frankfurt  nicht immer einfach zu leben war. Für den religiös sehr interessierten Vater war eine persönliche und innige Beziehung zu Gott wichtig, aus der er Kraft und Widerstandsfähigkeit im lutherischen Frankfurt  schöpfte. Heute würde man seine Frömmigkeit dem Pietismus zuordnen.
Nach dem Tod des Vaters heiratete Sibyllas Vater einen Maler, der sich auf Blumendarstellungen spezialisiert hatte.

Dieser Hintergrund prägte Maria Sibylla Merian nachhaltig. Sie lernte das Kupferstechen ebenso wie zeichnen und malen.
Mit diesen Fähigkeiten trug sie auch als Ehefrau zum Unterhalt der Familie bei. Später war sie wirtschaftlich unabhängig, denn neben ihrem künstlerischen Talent entwickelte sie unternehmerische Fähigkeiten.
Bei reinen Blumenbildern beließ es Maria Sibylla Merian aber nicht, sondern bereicherte sie mit Insekten unterschiedlicher Art.

Woher kam ihr Interesse an der Natur, insbesondere den Insekten?
Bereits als Kind interessierte sich Maria Sibylla Merian für Schmetterlinge, Spinnen und Insekten und deren Entwicklung. Sie züchtet sie, um alle Stadien ihrer Entwicklung beobachten zu können. Sie zeichnet und dokumentiert alles. Das war in ihrer Zeit neu.

Für Maria Sibylla Merian waren auch die Insekten Geschöpfe Gottes.
Sie sah in ihnen eine ganz eigene Schönheit.  
Diese eigene Schönheit der Insekten wollte Maria Sibylla Merian entdecken. So finden wir auf vielen ihrer Bilder Insekten in verschiedenen Stadien und immer wieder Schmetterlinge.

Im Vorwort zu einem ihrer Bücher schrieb sie:
„Nachdem ich nun durch die Gnade Gottes alles dasjenige erkläre, so beliebe der hochgeehrte Leser zu wissen, dass all dies zu Gottes Ehre allein von mir geschehen, indem ich erhoffe, dass sein Ruhm und Lobe aus diesen sehr geringen und bei manchen vielleicht auch verächtlichen Dingen unter uns irdisch-gesinnten Menschen desto heller und herrlicher hervorleuchten möge.“

Maria Sibylla Merian hat genau hingeschaut und die Ordnung in der Natur dahinter entdeckt.
In der Ordnung der Natur, ihrer Zweckmäßigkeit und Schönheit erkannte sie Gott.
Damit ist Maria Sibylla Merian eine Vordenkerin der Natur-Theologie, die im 18. Jahrhundert viele Anhänger gefunden hat.

Auch aus „verächtlichen Dingen“  leuchtet das Lob Gottes – was für ein schöner Gedanke.
Mit ihren Bildern hat Maria Sibylla Merian den verachteten und ekelerregenden Insekten die Würde gegeben, die Gott ihnen als Schöpfer zugedacht hat. Daran werde ich denken, wenn mich wieder einmal eine ungeliebte Mücke sticht.

Dem Motto des Weltgebetstages am 2. März „Gottes Schöpfung ist sehr gut“ würde Maria Sibylla Merian sicher aus vollem Herzen zustimmen.

Eure
Christine Ziehe-Pfennigsdorf