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Andacht vor dem Rathaus

Rostock ehrt verstorbenen Ehrenbürger William Wolff

11.08.2020 ǀ Rostock.  Für den verstorbenen Rostocker Ehrenbürger und langjährigen Landesrabbiner William Wolff (1927-2020) gab es am späten Dienstagnachmittag eine Andacht vor dem Rostocker Rathaus. Wolff sei ein sehr ungewöhnlicher Mensch gewesen, "durch den die Güte Gottes ungefiltert scheinen konnte", sagte Bischof Tilman Jeremias laut Redemanuskript in seiner Traueransprache. Es sei eine große menschliche Leistung gewesen, dass Wolff als Verfolgter des Naziregimes in das Land seiner Bedränger zurückkehrte und dort versöhnend und verbindend wirkte. "Er stand für Verständigung und Versöhnung zwischen den Religionen und zwischen allen Menschen."

Schwerste antisemitische Attacken habe William Wolff mit einem gütigen Wort ins Leere laufen lassen können, sagte der Bischof. Das Lebenswerk von Rabbi Wolff sei so etwas wie ein Vermächtnis: "Wir wehren uns gegen den Wahnsinn von Halle, gegen antisemitische Verschwörungstheorien, gegen die Verunglimpfung unserer jüdischen Freundinnen und Freunde. Wir wollen sie schützen, friedlich mit ihnen zusammenleben und uns am Reichtum jüdischer Kultur, jüdischen Glaubens und jüdischen Lebens in unserem Land freuen."

Die Andacht fand nach jüdischem Brauch 30 Tage nach der Beisetzung statt. Weitere Redner waren Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos), der Vorsitzende der Rostocker Jüdischen Gemeinde, Juri Rosov, und der vormalige Präsident der Rostocker Bürgerschaft, Wolfgang Nitzsche (Die Linke). Abschließend sprach Landesrabbiner Yuriy Kadnykov ein Gebet.

William Wolff wurde am 13. Februar 1927 in Berlin geboren. Er starb am 8. Juli in London im Alter von 93 Jahren. Im Herbst 1933 emigrierte seine Familie nach Amsterdam und von dort 1939 nach London. Wolff war von 1944 an in Großbritannien als Journalist tätig. 1979 begann er am Leo Baeck College seine Ausbildung zum Rabbiner. 1984 wurde er ordiniert und leitete unter anderem die Gemeinden der West London Synagoge, in Newcastle upon Tyne, in Milton Keynes, in Reading und Brighton sowie in Wimbledon.

Im April 2002 wurde er zum Landesrabbiner von Mecklenburg-Vorpommern berufen, wo er die jüdischen Gemeinden in Schwerin und Rostock betreute. Am 25. Oktober 2006 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Greifswald, ein Jahr später das Bundesverdienstkreuz. Ehrenbürger von Schwerin ist er seit 2014, Ehrenbürger von Rostock seit 2017. Seine Aufgaben als Landesrabbiner endeten Ende März 2015, er war aber weiterhin ehrenamtlich tätig.
Quelle: epd

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