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Pfr. Reinhart Haack. Foto: Neumann

Andacht zu Beginn der Landessynode der Pommerschen Evangelischen Kirche am 17. Oktober 2008 von Pfr. Reinhart Haack, Stralsund

 

Der Friede des Herrn sei mit uns allen. Amen

 

Lied: 321

 

Psalm 1, Nr. 702

 

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!“ Römer 12, 21

 

Am letzten Sonntag, waren in unserem Gottesdienst in der Lutherkirche die Küster der Küsterrüste unserer Landeskirche zu Gast. Natürlich sprach ich sie in der Begrüßung am Eingang des Gottesdienstes direkt an, brachte meine Freude über ihre Anwesenheit zum Ausdruck und sagte so in etwa: „Seien Sie herzlich willkommen, zur Zeit sind einige Küster unserer Landeskirche zur Küsterrüste hier in Stralsund und sie haben aufgemacht um in unseren Gottesdienst zu kommen, zusammen mit ihrem Leiter, mit Bischof Gienke.“

 

In dem Moment, wo ich’s aussprach, da wusste ich auch, es war verkehrt und erschrak über mich selbst, ich hatte ja im Vorfeld schon anderen erzählt die Küster mit Superintendent Gienke haben sich angekündigt. Ich will bei weitem keinen neuen Bischof ausrufen, doch beim Sprechen, in einer konzentrierten Phase, kommen plötzlich eingeprägte Muster zum Vorschein. Als ich junger Pfarrer war, da war eben Bischof Gienke da.

 

Ich frage mich, halten wir ganz unbewusst und fast automatisch nicht oft an alten Denk – und Handlungsweisen fest, auch wenn sie schon nicht mehr wahr sind?

 

Wie schwer ist es für uns wirklich, sich auf Neues und Ungewohntes einzulassen, können wir es überhaupt?

In einem Hauskreis haben wir am Montag noch einmal über den Predigttext des letzten Sonntages gesprochen, ein Leib, viele Glieder, und wir fragten uns, wie weit geht dieses mit dem einen Leib? Die Wohnortgemeinde, Stadtgemeinde, Dorfgemeinde, freie Gemeinde, Diakonie gehört auch dazu, Agas, Allianz, Pommern, Mecklenburg Nordelbien? Getauft sind sie doch alle! Welche Gabe ist ihnen jeweils von Gott gegeben?

 

Die Gegensätze die Paulus im Korintherbrief beschriebt, hätten nicht größer sein können, Griechen und Juden, Freie und Sklaven, sie bringen ihre Prägung, ihre Tradition mit, können sie einander überhaupt verstehen? Vielleicht ist der eine im normalen Leben Herr über einen Sklaven, der in der Gemeinde als Lehrer eingesetzt ist, vielleicht ein Grieche mit der Gabe der Heilung begabt und legt bei Juden die Hände auf.

 

Wie schwer ist es wirklich, sich auf Neues und Ungewohntes einzulassen? Verbindet uns das Vertrauen, dass wir hineingetauft sind in den einen Leib Christi mehr als anderes?

 

Vorvorletzte Kirchenzeitung: „Das Schiff Nordkirche in schwerer See!“ Die Wellen schlagen hoch. Da sitzen wir in unserer kleinen pommerschen Nussschale, inzwischen hat die Mannschaft ja auch noch zum Teil gewechselt, wie wir heute lesen können, da sitzen wir und klammern uns ängstlich an die Bordwand, gucken da gerade so mit unseren Augen rüber und sehen die Wellen bedrohlich auf uns zukommen. Uns beschäftigt nicht so sehr die Frage: wo ist unser Geld noch sicher, sondern eher: wo ist unser Geld, und zu der Finanzkrisenwelle kommt noch die Sinnkrisenwelle, denn es werden immer weniger Mitglieder in unserer Kirche, wer schnürt da die Hilfspakete?

 

Dann sehen wir auf der bewegten See ein etwas größeres Schiff in unserer Nähe und ein noch viel größeres Schiff auch nicht weit weg, und die bange Frage geht um: sind es Piraten oder Seenotrettungskreuzer mit der Gabe des Geldgebers? Mit den Einen, den Hamburgern, da hat ein Vorfahre von uns schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht, mit einem ganz üblen Trick haben sie ihn reingelegt, den Klaus Störtebeker, so dass die Hamburger „bunte Kuh“ ihn rammen konnte und er mit der ganzen Mannschaft gefangen genommen wurde; doch könnten wir dann so wie er noch kopflos wenigstens ein paar Kollegen retten?

 

Sind wir nicht alle hineingetauft in den einen Leib?

 

Seht, hier ist mehr als Mose, mehr als die Königin das Südens, mehr als Jona, mehr als Störtebeker, hier ist Christus mitten unter uns, mit uns im Boot, dem pommerschen, mit bei den Mecklenburgern und Nordelbiern.

 

Was lassen wir uns Angst und Bange machen, will nicht genau das der Widersacher Gottes? Freut sich nicht der ein Loch in den Bauch wenn wir untereinander ohne Liebe und Vertrauen umgehen?

 

Gott lässt uns doch nicht allein, er hat uns doch jetzt hier hergestellt dass wir das Leben in seiner Kirche gestalten, aus seinem Geist.

 

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!

 

Alte Denk und Handlungsmuster könne wir in der Tat ablegen und wenn sie uns doch noch einmal einholen, so wollen wir herzhaft über diesen Ausrutscher lachen, wie Bernd Ulrich Gienke und unsere Gemeinde es auch taten.

 

Darum können wir gut miteinander singen: Gottes sind Wogen und Wind, Segel aber und Steuer, dass ihr den Hafen gewinnt sind euer.

 

Gebet

 


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