Pommersche Evangelische Kirche, Landessynode, 17.-19.10.2008
Besinnung zum 2. Tag der Herbstsynode 2008 von Dr. Dietmar Freitag
Hohe Synode,
liebe Schwestern und Brüder,
„Die Landessynode hat dafür einzutreten, daß das Evangelium von Jesus Christus mit Wort und Tat schriftgemäß und gegenwartsnah verkündigt und bezeugt wird. Damit trägt sie zur ständigen Erneuerung der Kirche bei."
So heißt es in Art. 124 unserer Kirchenordnung. Damit wird festgelegt und vorgegeben, was die Aufgabe der Synode ist: sie hat dafür Sorge zu tragen, daß Zeugnis und Verkündigung von Jesus Christus gegenwartsnah erfolgt. Das bedingt, daß sie sich den jeweiligen Gegebenheiten, Ansprüchen und Herausforderungen zu stellen hat, heute sowohl wie morgen. Erneuerung ist kein Selbstzweck, sondern unabdingbare Verpflichtung zu synodalem Handeln.
Der Auftrag zur ständigen Erneuerung liegt schwer auf unseren Schultern. Gerade heute steht ein langer Tag vor uns, an dem wir zu bedenken, zu prüfen und zu bewerten haben, also uns damit auseinandersetzen müssen, ob und wie der Weg zur Nordkirche gegangen werden kann und soll. Es ist ein Weg der Erneuerung. Er wird uns nicht nur neue Strukturen und neue Zuständigkeiten bringen, Veränderungen im Rechts- und Finanzsystem von uns abfordern und Einschnitte in unser Selbstbestimmungsrecht aufzwingen. Das Ziel - denke ich - erfordert Opfer und wir sind uns dessen bewußt.
Wir gehen diesen Weg freiwillig, manche mit Bedenken. Aktuell sind weder Zwänge aus Sicht der Finanzlage noch aus Sicht der personellen und sachlichen Ausstattung unserer Gemeinden gegeben. Aber wir gehen ihn zur rechten Zeit, in Verantwortung vor erkennbaren Veränderungen der Zukunft.
Wir gehen diesen Weg nicht allein. Wir gehen ihn gemeinsam mit zwei Nachbarkirchen, die sich wie wir dem Wagnis gemeinsamer Erneuerung stellen. Denn nicht nur die Pommersche Kirche, sondern insbesondere die Mecklenburgische Kirche gibt ihre über 450 Jahre bestehende Selbständigkeit als Landeskirche auf. Das erfordert gegenseitiges Verständnis, Einfühlungsvermögen und Achtung aller drei Partnerkirchen.
Wir gehen diesen Weg „im Vertrauen auf den Herrn und in seiner Nachfolge". So will und so sagt es auch die Kirchenordnung in Art. 124. Und als Richtschnur für unser synodales Handeln gibt uns Art. 124 vor: "Die Synode soll im Gehorsam gegen den Herrn frei handeln".
Was gehört zu dieser Freiheit?
Die Synode darf streitbar sein. Sie lebt von einer offenen, lebendigen Diskussion, die gegensätzliche Standpunkte klärt, Gemeinsamkeiten fördert und den Blick für das Machbare öffnet.
Die Synode darf auch kämpferisch sein. Wir vertreten als Synode der Pommerschen Kirche die Interessen unserer Kirche. Auch im Ringen mit den Partnerkirchen um tragfähige, sinnvolle Lösungen sind wir beauftragt, unseren Standpunkt mit Nachdruck zu vertreten und seine Berücksichtigung zu fordern.
Die Synode muß sachorientiert sein. Die vorgelegten Vertragsentwürfe, die Stellungnahmen von Gutachtern, die Arbeitsergebnisse von Arbeitsgruppen, die Hochrechnungen, Machbarkeitsstudien, kurz alle Informationen dienen dem Ziel, sachgerechte Lösungen der vielfältigen Probleme zu erreichen. Sie sind alle umfassend und sorgfältig erarbeitet. Wir sollten deshalb jede Vor- und Zuarbeit dankbar entgegennehmen und auch sachgerecht behandeln.
Die Synode soll personenbezogen sein. Unsere Mitarbeiter haben ein Recht darauf, daß ihre Loyalität und ihre Einsatzbereitschaft Beachtung findet. Regelungen dazu sind und werden im Rahmen der verfassungsrechtlich garantierten Selbstbestimmung der Kirche getroffen. Jeglicher Druck von außen oder von innen ist unangebracht.
Die Synode darf ebenso auch emotional sein. Ich erinnere an den Beitrag von Schwester Stoepker, in dem sie ihre tiefe Enttäuschung und ihren persönliches Schmerz darüber ausdrückte, daß ihre Kirche ihre Eigenständigkeit und Identität verlieren sollte. Auch diese Emotionalität hat Anspruch auf Achtung und Akzeptanz.
Nutzen wir diese Freiheit im Hören auf das Wort des Herrn. Denn „Du machst fröhlich, was da lebet im Osten und im Westen" sagt Psalm 65 Vers 9. Mit Ost und West ist natürlich nicht Ostdeutschland und Westdeutschland gemeint. Aber selbst vom Wortlaut her paßt diese Zusicherung auf unsere Situation. Tun wir unsere Arbeit an diesem Tag fröhlich. Das heißt auch offen gegen- und miteinander, tolerant und verständnisvoll, besonnen in der Wortwahl, locker und unverkrampft, ehrlich und diszipliniert. Fröhlichkeit kommt vom Herzen und mit dem Herzen verfolgen wir alle das gleiche Ziel: eine Kirche, in der die Botschaft von Jesus Christus im Mittelpunkt steht und gegenwartsnah unsere Gemeinden und viele Menschen darüber hinaus erreicht. Wenn dieses Ziel nach Überzeugung der Synode durch eine Nordkirche erreichbar ist, wird uns auch der Weg dahin letztlich nicht schwerfallen.

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