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Open-Air-Gottesdienst im Pilger-Kloster Tempzin

Bischof Jeremias: "Als Gesegnete auf dem Weg sein"

Leiterin des Pilger-Klosters Doris Mertke, Pilgerin mit Vortragekreuz und Bischof Tilman Jeremias (v.l.n.r.)
01.06.2020 ǀ Kloster Tempzin/Greifswald.  Über die Kraft des Heiligen Geistes predigte Bischof Tilman Jeremias am heutigen Pfingstmontag im Garten des Pilger-Klosters Tempzin nordöstlich von Sternberg. Der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche sagte anlässlich des Festes, an dem die Kirche 50 Tage nach Ostern die Aussendung und das Wirken des Heiligen Geistes feiert: „Durch den Geist werden wir von den Stühlen geholt und in Bewegung gesetzt, aus Stubenhockern zu Pilgerinnen und Pilgern gemacht. Wir werden durchgewirbelt wie von einem kräftigen Ostseesturm. Wir werden inspiriert. In-Spiration ist Beatmung mit dem Geist. Der Geist öffnet uns die Augen für die Schönheiten der Schöpfung, er öffnet unseren Verstand für die Gebote Gottes, unser Ohr für das Schreien der Gepeinigten und unsere Hand zur Freigiebigkeit.“

Als „Basis“ der Pfingstgeschichte, wie sie der Evangelist Johannes erzählt, bezeichnete Bischof Jeremias den Gruß Jesu „Friede sei mit euch!“: „Jesus sendet seine Jünger nicht ohne Proviant los. Sie gehen als Gesegnete. Wir gehen als Gesegnete. Der Friede Gottes ist uns zugesprochen, vom Sohn Gottes selbst.“ Christinnen und Christen dürften darauf vertrauen, dass sie niemals auf sich allein gestellt seien: „Wir sind gesandt, sollen Jesu Worte und Jesu Wirken in unser persönliches Umfeld tragen. Wir sollen helfen, innere Nöte zu heilen. Aber diese Ansprüche stehen nicht für sich. Der Auferstandene verbindet sie mit Zusprüchen. Wir sind gesegnet, mit Gottes Frieden beschenkt. Und wir sind behaucht mit dem Heiligen Geist, der uns Kraft und Mut gibt und uns zusammenbringt.“

Am Ende des Gottesdienstes sprachen der Bischof und Doris Mertke, die Leiterin des Pilger-Klosters, einen Pilgersegen. Aus der ganzen Region und sogar aus Süddeutschland waren einige Menschen nach Tempzin gereist, um bei diesem Gottesdienst unter den gültigen Sicherheitsauflagen als Pilgerinnen und Pilger ausgesandt zu werden. „Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, um dich auf dem Wege zu bewahren und dich an den Ort zu bringen, den ich bereitet habe“, zitierte Doris Mertke aus dem biblischen Buch Exodus und fuhr fort: „So seid behütet auf euren Wegen und Pilgerwegen. Seid behütet, wenn ihr durchs Leben pilgert. Geht euren Weg in Frieden und Zuversicht.“  

Traditionell ist der Gottesdienst im Pilger-Kloster am Pfingstmontag der Höhepunkt und Abschluss eines bunten Pilgerfests. Aufgrund der aktuellen Einschränkungen gab es diesmal ein Selbstversorgerpicknick im Klostergarten, der Chor der Brüeler Kirchengemeinde sang.

Träger des Pilger-Klosters ist ein ökumenischer Verein, der sich 1994 gegründet hat. Die Mitglieder sanierten das über 500 Jahre alte Antoniterkloster und bauten es zu einer Pilgerherberge mit Begegnungsstätte aus. Viele engagierte Ehrenamtliche machen den Betrieb möglich: Sie pflegen den Klostergarten, wirken als Streckenwarte und geistliche Begleiter in den Pilgergruppen oder helfen in der Küche mit.

Doris Mertke bezeichnet das Pilgern mit einem Augenzwinkern als „Einstiegsdroge in die Spiritualität“: „Pilgern ist eine Form, die eigene Spiritualität zu entdecken und zu entfalten für Leute, die keine Erfahrung damit haben. Man muss das auch nicht regelmäßig üben wie etwa die tägliche Meditation.“ Die Wirkung des Pilgerns hat sie selbst vor 14 Jahren das erste Mal erlebt: „Wenn man einfach losgeht und nicht rennt, um ein Ziel zu erreichen, dann schaltet das Gehirn irgendwann um und man fühlt sich wie aus der Zeit gefallen. Plötzlich öffnet sich das Herz, man ist vollkommen im Jetzt, der Himmel erscheint blauer.“ Wichtig ist ihr, dass das Pilgern keine asketische Übung ist: „Pilgern hat etwas sehr Leichtes. Es ist eine fröhliche Frömmigkeitsform.“

Bischof Jeremias hat schon einige ökumenische Pilgerwege von Tempzin aus geleitet. Er sagt: „Das gemeinsame Pilgern vereint Jung und Alt, Familien und Alleinstehende, Katholiken, Protestantinnen und Menschen, die sich keiner Kirche zugehörig fühlen. Man geht gemeinsam in unserer schönen Natur unter dem weiten Himmel Gottes.“
Quelle: Bischofskanzlei Greifswald (ak)

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