Eröffnung Friedrich-Stellwagen-Orgeltage St. Marienkirche Stralsund am 5. 7. 2006
Grußwort Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit
Wenn ich die St. Marien Kirche in Stralsund vor Augen habe, fällt mir das Gesangbuchlied Martin Luthers ein „Ein feste Burg ist unser Gott“. Wie kein anderes Gotteshaus unserer Landeskirche ist St. Marien das zu Stein gewordene Sinnbild dieses Verses. Majestätisch erhebt sich dieser gewaltige Bau und kündet schon aus der Ferne vom Reichtum der alten Hansestadt und vom Gottvertrauen ihrer Bürger.
Welche Hoffnung müssen die Menschen im 14. Jahrhundert gehabt haben, so einen Bau zu wagen und in die Tat umzusetzen. Wir müssen uns vor Augen stellen, dies geschah in einer Zeit, in der Epidemien, Hungersnöte, Naturkatastrophen und Kriege die Menschen in einem heute nicht mehr vorstellbaren Maß bedrohten und die Früchte ihrer Arbeit immer wieder zunichte machten, einer Zeit, in der eigentlich nichts sicher war im Sinne heutiger Vorstellungen einer modernen Gesellschaft. Vielleicht liegt es aber auch genau daran, dass wir nach fast sieben Jahrhunderten uns noch immer an diesem Bauwerk erfreuen und darin Gott loben und danken können. Manchmal wünsche ich mir etwas mehr von der Hoffnung und dem Gottvertrauen der Menschen früherer Jahrhunderte auch für unsere Zeit. Wir brauchen Hoffnung und Mut, anzupacken, etwas zu wagen, auch wenn genau absehbar ist, was daraus wird.
Solche Hoffnungszeichen und solches Gottvertrauen sind bis heute erkennbar und spiegeln sich auch in der wechselvollen Geschichte der St. Marienkirche wider. Denn durch alle Jahrhunderte bis heute ist an dieser Kirche immer gebaut, wiederhergestellt oder restauriert worden. Zu allen Zeiten stand dabei diese Kirche gleichzeitig offen für alle diejenigen, die Schutz und Trost, Hilfe und neue Hoffnung suchten.
Beides gehört zusammen: Zum einen die Überzeugung, dass diese Kirche in diese Stadt und zu ihren Bürgern gehört und erhalten werden muss. Zum anderen darf dabei aber nicht vergessen werden, dass es sich im wahrsten Sinne des Wortes um ein Gotteshaus handelt, in dem zuerst gebetet, gesungen und gepredigt wird und das zur Ehre Gottes. Das eine ohne das andere ist nicht zu haben.
Ich freue mich sehr über das wachsende Interesse an der St. Marienkirche in Stralsund und über die vielfältigen Formen der Unterstützung, damit sie auch für die Zukunft erhalten werden kann. Gleichzeitig lade ich alle dazu ein, diese Kirche auch zur Besinnung, zum Gebet und zum Lobe Gottes in Anspruch zu nehmen.
Untrennbar mit der St. Marien Kirche verbunden ist seit mehr als drei Jahrhunderten die Friedrich-Stellwagen Orgel, nach der die Orgeltage benannt sind, die heute begonnen haben.
Wer in das Buch „Stralsunds Orgeln“ des früheren KMD und Organisten an dieser Kirche, Dietrich W. Prost, schaut, der merkt schnell, dass auch die Stellwagen Orgel eine bewegte Geschichte hat mit vielen Umbauten, Reparaturen, Zerstörungen. Das Schicksal der Orgel wirkt oft wie ein Spiegel der jeweiligen Zeit. Was außerdem auffällt, ist, dass auch in früheren Zeiten die Gemeinde hier an St. Marien weder diese riesige Kirche noch die Orgel allein finanzieren und unterhalten konnte. Es gibt unzählige dokumentierte Bitten an die Ratsherren und die Bürger der Stadt. Was wir heute - so schön eingedeutscht - „Fundraising“ nennen, ist also eine uralte Sache, ja eine Notwendigkeit, die diese Kirche und die Verantwortlichen von Anfang an begleitet hat. Am Prinzip hat sich wenig geändert, die Methoden sind heute andere. So gehen die Bitten nun notwendigerweise weit über die Stadtgrenzen Stralsunds hinaus und bedienen sich moderner Medien.
Ich freue mich deshalb ganz besonders, dass es in den letzten Jahren gelungen ist, von verschiedenen Seiten die erforderliche Unterstützung zu bekommen, um diese wertvolle Orgel auch für künftige Generationen erhalten zu können. Diese Orgel ist das bedeutendste Instrument in unserer Landeskirche und zählt wohl auch zu den wertvollsten in ganz Norddeutschland.
Deshalb möchte ich mich ganz herzlich bedanken bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, bei der Kulturstiftung der Länder, bei Deutschlandradio Kultur, auch noch einmal bei der Reemtsma-Stiftung und natürlich für den unermüdlichen Einsatz hier vor Ort, nicht zuletzt von Pfarrer Christoph Lehnert und Kantor Martin Rost, der zugleich Orgelbeauftragter unserer Landeskirche ist.
Gott erhalte uns dieses Engagement, diese Kirche und diese Orgel.
Ich wünsche der Ausstellung und allem, was damit verbunden ist, einen guten Verlauf, Gott segne alle, die daran beteiligt sind! (5.7.2006) 
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