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Bischof Abromeit ruft zum „Ausstieg aus dem Kreislauf des Bösen“ auf

 

Greifswald (rn). In seiner Neujahrsbotschaft hat der pommersche Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit zum „Ausstieg aus dem Kreislauf des Bösen“ aufgerufen. Dies könne der Anfang einer Weltveränderung zum Guten sein. Die Jahreslosung 2011 „Lass dich nicht vom Bösen überwinden sondern überwinde das Böse mit dem Guten“ (Römerbrief, 12,12) biete dazu jeden Morgen die Möglichkeit zum Neuanfang.

 

So dürfe der Protest gegen die ungelöste Endlagerfrage von Atommüll niemals in Gewalt umschlagen und bei einer begrenzten Freigabe der Präimplantationsdiagnostik müsse man glaubwürdig darlegen, bei welchen lebensbedrohenden Erbkrankheiten man für ihre Anwendung eintrete und wie man einer Ausweitung entgegentreten wolle. In Afghanistan dürfe man nicht die Denkweise der Vernichtung, die die Taliban anwendeten, übernehmen. „Das Böse läßt sich nicht durch Böses überwinden, sondern nur durch das Gute, das an seine Stelle gestellt wird. Ist das nicht möglich, so ist es besser, Positionen zu räumen, als in die Logik derer zu verfallen, die man bekämpfen will,“ sagte der pommersche Bischof. Im Glauben und der Gottesbeziehung liege die Kraft des Neuanfangs, und in den Kirchengemeinden finde man „Mitstreiter für das Gute,“ fügte er hinzu.

 

Um die Zahl derer zu vergrößern, die auf dem Wege sind, aus der Spirale des Bösen auszusteigen habe die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) das Jahr 2011 zum Jahr der Taufe ausgerufen. Unter der Überschrift: „Freiheit und Taufe“ würden in allen Landeskirchen Veranstaltungen stattfinden. „Auch wir in Pommern machen dabei mit. Schon seit einigen Jahren versuchen wir die Ausdrucksformen unserer Spiritualität um eine Taufspiritualität zu erweitern. Die Taufe ist ein Weg, um einen Neuanfang mit Gott zu machen. In der Taufe verbindet sich Jesus Christus mit der oder dem Getauften. Darum ist die Taufe eine optimale Vorraussetzung für eine Frömmigkeit, die aus der Verbindung mit Jesus Christus Auswege aus dem Teufelskreis des Bösen sucht. So hat in der Kirche im vergangenen Jahr manch einer in der Taufe die Kraftquelle zum Guten erlebt,“ schreibt Bischof Abromeit in seiner Neujahrsbotschaft.

 

Wortlaut:

Neujahrsbotschaft 2011 von Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit, Greifswald: "Die Kraft des Guten"

 

Am Ende eines alten und zu Beginn eines neuen Jahres blicken wir zurück. Fernsehprogramme, Zeitungen, Radiosendungen sind voll von Jahresrückblicken. Es gilt, Bilanz zu ziehen: Was hat das vergangene Jahr gebracht? Was lohnt sich, mit hinüber zu nehmen in das neue Jahr 2011? Was sollte besser zurück bleiben? Vieles bewegt uns. In unserer Region sind wir mit dem Castortransport aus Neue mit der Frage der weiteren Nutzung der Atomenergie konfrontiert worden. Zur Zeit wird in Deutschland die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) diskutiert, also von Untersuchungsmethoden, die es ermöglichen, einen aufgrund künstlicher Befruchtung im Reagenzglas gezeugten Embryo auf eventuelle Schädigungen des Erbgutes zu untersuchen, um es gegebenenfalls abzutöten und nicht in die Gebärmutter einzupflanzen. Wir fragen nach dem Sinn der Beteiligung deutscher Truppen am Krieg in Afghanistan. Immer wieder sind wir gefordert zu entscheiden, ob wir so oder so handeln wollen. Was ist gut oder böse?

 

Als Christen orientieren wir uns an einer aus den Grundlinien der Offenbarung Gottes in der Bibel entwickelten Ethik. Das Bibelwort aus dem Römerbrief des Paulus, das als „Jahreslosung“ für 2011 ausgewählt wurde, gibt einen wertvollen und lebensklugen Hinweis: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem (Die Bibel, Römerbrief Kap. 12, 21). Das, was gut und böse ist, lässt sich nicht mit Hilfe eines simplen Schwarz-Weiß-Denkens erkennen. Das hat George W. Bush versucht, indem er allzu selbstgewiss die Welt einteilte in die Guten, zu denen für ihn fraglos er selbst und die USA gehörten, und „die Achse des Bösen“. Er merkte dabei gar nicht, wie er damit das Denken der islamistischen Terroristen, die er bekämpfte, widerspiegelte. Das wirklich Gute erkennen wir, indem wir uns anschauen, wie Gott bisher gehandelt hat und daraus nach seinem Willen fragen. Um zu prüfen, was Gottes Wille ist, muss die Vernunft, die Gott uns gegeben hat, an der Betrachtung von Geschichte und Wort Gottes geschult und auf die gegenwärtigen Herausforderungen angewandt werden. So lässt sich das Gute, Einleuchtende und Vollkommene herausfinden. Der Wille Gottes ist niemals etwas, das lediglich die Verhaltensweisen dieser Welt spiegelt, noch ist er ohne die Bereitschaft zur grundlegenden Veränderung unseres Lebens zu haben (vgl. 12, 1f).

 

Natürlich prägt uns die Vergangenheit, sind in ihr Chancen und Begrenzungen vorgegeben. Aber das alte Denken legt uns nicht völlig fest. Es ist unsere Entscheidung, wie wir mit dem umgehen, was uns in der zurückliegenden Zeit begegnet ist und wie wir die Zukunft gestalten wollen. Das neue Jahr birgt wie jeder neue Morgen die Möglichkeit zu ei-nem Neuanfang. Christus schenkt uns dazu sowohl das neue Denken wie auch die Kraft, uns darauf einzulassen.

 

Im neuen Jahr 2011 wird sich nicht alles schlagartig zum Guten ändern. Wenn wir diese Weisheit von Paulus zu unserem Motto für 2011 machen, kann dies der Anfang der Weltveränderung zum Guten sein; unserer kleinen Welt der Familie, der Nachbarschaft und der Firma, unserer Dörfer und Städte und unserer Gesellschaft. Es beginnt damit, dass wir aus dem Kreislauf des Bösen aussteigen. Einige Beispiele zeigen, wie das gehen kann.

• In unseren persönlichen Beziehungen bedeutet das, uns nicht bestimmen zu lassen von dem gehässigen Ton, der uns an den Kopf geworfen wurde, und ihn eben nicht genauso zurückzugeben.

• Unser Protest gegen die wegen der ungelösten Endlagerfrage nicht verantwortliche Atompolitik darf niemals in Gewalt umschlagen und so die Alternative „saubere Energie aus erneuerbaren Ressourcen und Einsparung bisher verschwendeter Energie“ unglaubwürdig machen.

• Wer für die vielleicht auch nur begrenzte Freigabe der PID eintritt, muss glaubwürdig darlegen, bei welchen lebensbedrohenden Erbkrankheiten er für ihre Anwendung eintritt, und wie er einer Ausweitung entgegentreten will. Es gibt in unserer Gesellschaft eine Erwartung, den Menschen immer weiter zu perfektionieren. Ein gesellschaftlicher Druck zur Abtreibung behinderter Kinder existiert bereits. „Musste das denn sein, wo es doch möglich ist, die Gesundheit des Embryos zu prüfen?“ Diese Frage müssen sich schon heute Eltern behinderter Neugeborener fragen las-sen. Bald wird ein finanzieller Druck der Krankenkassen folgen, nach dem es der Solidargemeinschaft der Versicherten nicht zuzumuten ist, so viel Geld für Behinderte auszugeben.

• Nachdem Deutschland sich in den Krieg in Afghanistan hat verwickeln lassen, besteht die tägliche Gefahr, uns das Denken der Problemlösung durch Vernichtung zu eigen zu machen. So denken die Taliban. Wenn man in einem solchen Konflikt selbst bedroht wird, liegt es nahe mit Bedrohung zu antworten. Aber das Böse lässt sich nicht durch Böses überwinden, sondern nur durch das Gute, das an seine Stel-le gestellt wird. Ist das nicht möglich, ist es besser, Positionen zu räumen, als in die Logik zu verfallen, die man bekämpfen will.

 

Aber die Kraft zum Ausstieg aus dem Kreislauf des Bösen hat man nicht immer. Da ist es gut, sich in Gemeinschaft auf die Suche nach Alternativen zu machen. Die evangelische Kirche lädt ein, in ein Umdenken jetzt einzusteigen. In den Kirchengemeinden findet man sicher Mitstreiter für das Gute. Im Glauben und der Gottesbeziehung liegt die Kraft zum Neuanfang. So bietet das neue Jahr zugleich die Einladung, sich mit Fragen auseinander zu setzen, die über diese Welt und diese Zeit hinausgehen. Bei der Frage nach Gott gibt es keine einfachen Antworten.

 

Um die Zahl derer zu vergrößern, die auf dem Wege sind, aus der Spirale des Bösen auszusteigen hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) das Jahr 2011 zum Jahr der Taufe ausgerufen. Unter der Überschrift: „Freiheit und Taufe“ werden in allen Landeskirchen Veranstaltungen stattfinden. Auch wir in Pommern machen dabei mit. Schon seit einigen Jahren versuchen wir die Ausdrucksformen unserer Spiritualität um eine Taufspiritualität zu erweitern. Die Taufe ist ein Weg, um einen Neuanfang mit Gott zu machen. In der Taufe verbindet sich Jesus Christus mit der oder dem Getauften. Darum ist die Taufe eine optimale Vorraussetzung für eine Frömmigkeit, die aus der Verbindung mit Jesus Christus Auswege aus dem Teufelskreis des Bösen sucht. Hinter dem „Jahr zur Taufe“ verbirgt sich die Einladung vieler Kirchengemeinden, über Gott und den Glauben ins Gespräch zu kommen und die Taufe als Geschenk eines neuen Lebens kennen zu lernen. So hat in der Kirche im vergangenen Jahr manch einer in der Taufe die Kraftquelle zum Guten erlebt. (30.12.2010)


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