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Hans-Jürgen Abromeit

Neujahrsbotschaft des Bischofs der Pommerschen Evangelischen Kirche,

Dr. Hans-Jürgen Abromeit, Greifswald

 

Jesus Christus spricht: „Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhört.“ Lukas 22, 32 a

Jahreslosung 2005

 

Keiner von uns weiß genau, was die Zukunft bringt. Um zu leben, benötigen wir aber einen Grundoptimismus, der uns den Unwägbarkeiten zuversichtlich begegnen lässt. Wir alle brauchen Zuversicht und Lebenskraft für das vor uns liegende Jahr 2005. Als Christen finden wir diese Zuversicht für das Leben im Glauben. Solcher Glaube ist – nach biblischem Verständnis – Treue und Vertrauen, die durch die Bindung unseres Lebens an Jesus Christus geschenkt werden.

Aber dieses Vertrauen wird immer wieder in Frage gestellt. Verunsicherungen kommen nicht von ungefähr, sondern sind Versuche einer widergöttlichen Macht, dieses Verhältnis zwischen uns und Gott zu zerstören. So sagt es Jesus selbst in dem der diesjährigen Jahreslosung vorangehenden Vers.

 

Lebensverzweiflung kann hervorgerufen werden durch das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden. Wenn Menschen bescheinigt wird, dass sie eigentlich überflüssig sind und die Gesellschaft nur belasten. So ist die Reform der Sozialsysteme und das umstrittene Gesetzeswerk Hartz IV grundsätzlich richtig. Es müssen wieder mehr Menschen in Arbeit gebracht werden. Die Gesellschaft darf auch erwarten, dass für eine Unterstützungsleistung, die gewährt wird, Gegenleistungen etwa in Form von gesellschaftlich nützlicher Arbeit, gebracht werden. Allerdings muss die Entlohnung für zusätzlich übernommene Minijobs oder ähnliches auch angemessen sein, damit sie die Bereitschaft zum Einsatz fördert.

Insgesamt bleibt der Eindruck, dass für die Beseitigung der enorm hohen Arbeitslosigkeit im Osten Deutschlands zu den bereits beschlossenen Reformen weitere hinzukommen müssen. Hartz IV muss „osttauglich“ gemacht werden.

 

Anderen Menschen wird ihre Lebenszuversicht und ihr Gottvertrauen durch Krankheit genommen. Krebskranke Menschen, beispielsweise verzweifeln an ihrem Glauben und stellen die Liebe Gottes zu ihnen in Frage.

Offensichtlich gehört die Fähigkeit von Körperzellen, zerstörerisch zu wachsen, zu dieser Welt in der wir leben. Gott hat diese Welt gut geschaffen. Sein Wille ist nicht, dass Körperzellen durch bösartiges, degeneriertes Vermehren dem gesamten Organismus die Lebenskraft nehmen. Aber der Glaube will unter solchen lebensbedrohlichen Erfahrungen bewährt werden.

 

In dieser Woche ist uns die menschliche Abhängigkeit von den Naturgewalten auf grausame Art vor Augen geführt worden. Der Tod von über 150.000 Menschen durch das Seebeben in Asien, lässt viele an einem gütigen Gott zweifeln. Gewiss, wir stehen vor vielen Fragen, auf die auch der christliche Glauben keine Antworten gibt. Wie alle anderen Menschen auch, haben auch wir keine schnellen und einfachen Lösungen parat.

Aber durch diese dunklen Seiten unseres Lebens, hinter diesen ungeklärten Fragen und Geheimnissen wissen wir um ein größeres Geheimnis, das unser Leben trotz alledem umgibt. Christen vertrauen auf Gott als einem Gegenüber, das uns immer wieder die Kraft zum Leben schenkt.

 

Die Jahreslosung 2005 verdeutlicht uns die Art und Weise dieses Gegenübers. Mag uns noch so viel fragwürdig und unerklärlich erscheinen, in Jesus Christus begegnet uns Gott liebevoll und fürsorglich. Er selbst hält Fürsprache für uns, tritt für uns ein, wenn wir die Fäden unseres Lebens nicht mehr richtig zusammen bekommen. Er betet für uns, damit unser Glaube bleibt. Dieser Glauben gibt uns die Kraft, die wir für ein gelingendes Jahr 2005 benötigen. Gott braucht uns und stellt uns an die Arbeit, die nicht immer eine bezahlte Arbeit sein wird. Aber wir haben viele Möglichkeiten, anderen Menschen Nützliches und der Schöpfung Dienliches zu tun. In der Krankheit erfahren wir kein Schicksal, sondern blicken durch einen dunklen Schleier hindurch in das Gesicht des Gekreuzigten. An vielen Krankenbetten ist es hilfreich, zu erfahren, dass man nicht nur mit seinem Leid hadern muss, sondern mit diesem Gegenüber, das wir Gott nennen, sprechen kann. Jesus Christus kann Halt sein, selbst in einem Leben, das durch Katastrophen aufgewühlt und dessen menschliche Existenz in Frage gestellt ist.

Bei allem, was auch im Jahr 2005 auf uns einstürzen mag, dürfen wir aus der Gewissheit leben, dass Jesus Christus für uns eintritt. So wie es uns die Bibel für dieses Jahr verheißt: „Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhört.“

Möge das neue Jahr für Sie alle ein gesegnetes sein!

 


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