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Abendmahlsgefäße aus Proseken restauriert

Restaurator Wurm: Die schönste Patene, die ich bisher in meinen Händen hielt

25.05.2016 ǀ Proseken.  Etwa 1000 historische Abendmahlskelche gibt es in Mecklenburg: In filigraner Kleinarbeit hat Restaurator Thomas Wurm ein feuervergoldetes Exemplar von 1589 in seinen ursprünglichen Zustand versetzt. Am Dienstag (24. Mai) übergab der Erfurter den Kelch samt restaurierter Patene und Oblaten-Dose wieder an die Kirchengemeinde Proseken-Hohenkirchen (Nordwestmecklenburg).

Noch im Juni werden die Vasa sacra (liturgische Gefäße) in einem Gottesdienst wieder in Gebrauch genommen. „Beim Abendmahl können alle den Kelch dann selbst in die Hand nehmen“, blickt Pastorin Anne Hala voraus. Wegen seiner Gestaltung, die beispielsweise die vier Evangelisten, die Kreuzigungsszene und Pelikane zeigt, gilt der Kelch als besonders schön. An dem 22 Zentimeter hohen Prachtstück ist nicht mehr zu sehen, wie sehr der Zahn der Zeit an ihm genagt hatte. „Die Kelchschale, aus der der Wein beim Abendmahl getrunken wird, war mit zahllosen kleinen Fraßlöchern übersäet“, erzählt Restaurator Thomas Wurm. „Ursache ist die im Wein enthaltene Säure.“ Allein, um diese Schäden zu beseitigen, habe er gut eine Woche gebraucht.

Kelch erzählt interessante Geschichte

Zudem fanden sich auf dem aus Silber gearbeiteten und feuervergoldeten Kelch zahllose Kratzer. Als der Restaurator zeigt, dass nach der Neuvergoldung mit fast 25 Gramm des Edelmetalls davon nichts mehr zu sehen ist, macht er noch auf die eingravierte Jahreszahl 1648 aufmerksam. Dahinter verbirgt sich eine Geschichte: Der Kelch war in den Wirren des 30jährigen Krieges nach Lübeck gekommen. Wahrscheinlich war er verpfändet worden. Dann habe jemand mit 50 Talern den Kelch ausgelöst und diesen so gesehen ein zweites Mal für die Kirchengemeinde Proseken gestiftet.

Drei Tage lang nur Beulen entfernt

Mit Arbeitstechniken, wie sie schon Mitte des 15. Jahrhunderts angewendet wurden, und mit originalen Materialen restaurierten die Erfurter Fachleute ebenso die beiden anderen Stücke in ihrer Werkstatt. „Die Patene aus Proseken mit ihrem eingravierten Bild und der Umschrift in Platt ist die schönste, die ich in meinen 30 Arbeitsjahren bisher gesehen habe“, bekennt Thomas Wurm, der den Teller, auf dem die Abendmahlsoblaten liegen, wieder gerade biegen musste und drei Tage damit beschäftigt war, die unzähligen Beulen zu entfernen.

Nordkirche berät Gemeinden in Sachen Kunst und Kulturgut

„Es gibt deutschlandweit nur wenige Werkstätten, die das alte Handwerk richtig beherrschen“, lobt Kirchenbaurat Karl-Heinz Schwarz aus dem Baudezernat der Nordkirche das Ergebnis. Und Dr. Antje Heling-Grewolls, die zuständige Referentin für Kunst und Kulturgut, informiert, dass die Landeskirche wie in Proseken ebenso andere Kirchengemeinden im Rahmen ihrer Möglichkeiten gern berät und Restaurierungen finanziell unterstützt. „Denn anders als beispielsweise bei einem kaputten Kirchendach oder einer gerissenen Glocke stehen Abendmahlsgeräte und andere Kunstgegenstücke einer Kirche nicht so im öffentlichen Fokus hinsichtlich Spenden und Fördergeld.“

3000 Euro von der Stiftung „Kirchliches Bauen in Mecklenburg“

Um so erfreulicher, dass von den 6400 Euro Gesamtkosten für die Vasa sacra aus Proseken, allein 3000 Euro die Stiftung „Kirchliches Bauen in Mecklenburg“ bewilligte. Vorsitzender Wulf Kawan sagt: „Damit eine Kirche ,lebt‘ muss in ihr Gottesdienst gefeiert werden können - und dazu gehört das Abendmahl. Und für ein Festmahl wird der Tisch mit den besten und schönsten Gerätschaften gedeckt, die vorhanden sind.“ Deshalb seien Abendmahlskelche schon seit Jahrhunderten besonders kunstvoll gestaltet worden. Kawan freut sich, „dass die Bau-Stiftung dazu beitragen konnte, dass die kunstvollen Goldschmiedearbeiten aus Proseken in altem Glanz erstrahlen und wieder nutzbar sind.“

Darüber hinaus konnte Restaurator Wurm bei seinem Besuch in Proseken an die Vertreter des Baudezernates der Nordkirche noch einen restaurierten Kelch und eine Patene übergeben, die aus der Kirchengemeinde Dömitz (Ludwigslust-Parchim) stammen.
Quelle: ELKM (cme)

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