
-
Gott Vater, Detail aus: Die Anbetung der Könige. St. Nikolai, Greifswald
2.1 Gott der Vater
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Neben den vielen Namen oder Bezeichnungen für Gott im Alten Testament heißt er dort auch der Vater des Volkes Israel: Ich bin Israels Vater, und Ephraim (einer der Stämme des Volkes für alle) ist mein erstgeborener Sohn (Jeremia 31,9).
Im Neuen Testament heißt er dann der Vater des Sohnes Jesus, des eingeborenen Sohnes vom Vater (Johannes 1,14 und oft).
Jesus hat seine Jüngerinnen und Jünger gelehrt, ihn im Gebet so anzusprechen: Unser Vater
Der Allmächtige heißt Gott im Alten und Neuen Testament: Ich bin der allmächtige Gott (1 Mose 17,1); Ich bin das A und das O (der Erste und der Letzte), spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige (Johannes-Offenbarung 1,8).
Wir sollen uns die Allmacht aber nicht als gewalttätige Übermacht denken. Wir kommen sonst sofort zu der unbeantwortbaren Frage, wie der allmächtige Gott das Leiden unschuldiger Kinder oder Leiden überhaupt zulassen kann. Seine Allmacht gehört als Zwilling zu seiner Liebe. Liebe ist zuerst und vor allem ohnmächtig, ein Leben in der Leidensform: geliebt zu werden; dann erst wird sie gewinnend und mächtig.
Gott heißt schließlich der Schöpfer. Wenn wir von Schöpfung sprechen, sagen wir, dass wir die Herkunft der Welt, der Natur und unser selbst nicht erklären können, auch nicht mit der fortschrittlichsten (Natur-) Wissenschaft. Die Wissenschaft kann uns sehr viel über die Einzelheiten und Zusammenhänge der Natur sagen. Über die Herkunft, den Ursprung von allem weiß sie nichts. Das ist kein Beweis für Gott als den Schöpfer. Vielmehr: dass die Schöpfung vom Schöpfer geschaffen ist, gehört in den Glauben an Gott den Vater und den liebevoll Allmächtigen hinein.
Die Väterlichkeit Gottes, seine liebevolle Allmacht und sein Schöpfersein kennen wir aus der Bibel, besonders aus dem Alten Testament. Das apostolische Glaubensbekenntnis kommt nicht auf die Geschichte Gottes mit dem Volk Israel, wo dieser Glaube seinen Ursprung hat, zu sprechen. Das alles wäre beim Abschnitt über Gott den Vater nachzutragen.
(c) Pfr. i.R. Dr. h.c. Jürgen Seim, Neuwied