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Die monatliche Kolumne von Flüchtlingspastor Walter Bartels

Juli 2017: 'Ein Leben ohne Feste…

Zuckerfest in Stern Buchholz (Fotos: Kristin Rein)
…ist wie ein langer Weg ohne Einkehr', hat jemand gesagt.

Zwei Tage vor dem Ende des Monats Ramadan sah Achmad schon ein bißchen gequält aus. Der Verzicht auf Essen und Trinken – nicht gerade einfach für einen Mann mit seiner Statur, denke ich. Aber er sagte: "Kein Problem. Das gehört bei uns dazu. Wir fasten ja eine festgelegte Zeit lang. Das ist wie eine Übung. Wenn man immer nur daran denkt, daß es tagsüber kein Essen und Trinken gibt, dann ist es natürlich schwer. Aber Fasten ist ja kein Selbstzweck", erklärt er mir und berichtet, daß er den Monat über sehr viel im Koran gelesen hat.

Am 25. Juni begann das Fest des Fastenbrechens, ʿĪd al-Fitr, auch 'Zuckerfest' genannt. In der Erstaufnahme in Stern Buchholz bei Schwerin wurde es auch begangen. Dafür wurden große Mengen an Süßspeisen und andere Spezialitäten für das Fest besorgt und zubereitet. Darauf freuten sich besonders die Kinder. Wenn möglich ziehen sich alle schön an; manche Frauen schmücken ihre Hände mit Henna. Wenn möglich, verbringen viele Muslime das Fest zuhause, um die Festlichkeiten gemeinsam mit Eltern, Verwandten, Nachbarn zu begehen. Achmad sagt, eigentlich sei es ein fröhliches Fest, aber hier, weg von einem Zuhause, kämen auch eine Menge trauriger Gefühle auf.
Viele telefonieren immerhin kurz in ihr Heimatland.

Trotzdem: ein Zuckerfest an diesem Ort. Daran hatten die Malteser großen Anteil. Sie hatten Zelte aufgebaut, in denen es leckeres Essen und Getränke gab. Und als landestypisches 'Zuckerl': Erdbeeren satt mit Vanillesauce. Und natürlich süße Kuchen. Als der Regen endlich aufhörte, wurde Musik gemacht und getanzt. Für die Kinder waren Spiel-Stationen aufgebaut. Übrigens: Auch die ChristInnen feierten mit, wie in vielen Herkunftsländern üblich. Es war eine schöne, fast ausgelassene Stimmung – wahrlich nicht selbstverständlich an diesem Ort mit so vielem Schweren… 

Ein Fest, ein Trost, eine Erfahrung innerer Heimat.  
Vielen Dank, ihr Malteser! Da habt Ihr einen sehr guten Job gemacht, daß das möglich war!

Pastor Walter Bartels