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Die monatliche Kolumne von Flüchtlingspastor Walter Bartels

Januar 2017: Da war doch noch was

Rätselbild (Foto: kids-web.org und dessen Lizenzgeber. Alle Rechte vorbehalten)
Zu Beginn des neuen Jahres sind die meisten Tannenbäume schon abgeschmückt. Schnell hat der Alltag uns wieder und im Griff. Klingt noch etwas herüber und weiter von den Geschichten und Liedern, die von der Geburt des Kindes erzählen und die es feiern?

Manches zittert noch nach an diesem Jahreswechsel. Die Berliner Mordtat verliert sich zwar in täglich neuen Details, für die eher die Polizei zuständig ist; aber gab es nicht auch 50 Verletzte? Über die Mordtat in Bethlehem eilt der Lauf der Dinge hinweg. Die entkommene kleine Familie verschwindet für längere Zeit vom Bildschirm, so ein Erzähler (Mt 2). Über Verlauf und Umstände der Flucht mit dem Kind erfahren wir nichts; heutige Berichte können unserer Vorstellungskraft und Einfühlung auf die Sprünge helfen. Später kehren die drei in ihr Heimatland zurück, lassen sich zögernd in Nazareth nieder. Wie es dort wohl aussieht nach der langen Abwesenheit? Gibt es Josefs Zimmerei noch? Worüber redet Maria mit den Nachbarinnen? Wie findet sich der kleine Junge zurecht?

Eine Geschichte voller Durcheinander, verworren und 'geistesgegenwärtig', schrecklich und wundervoll. Manch ähnliches Schicksal, von dem wir heute erfahren, klingt darin an. Und es tut sich was, auf verschlungenen Wegen, wider alle Erwartung. Das Baby bleibt kein Kleinkind, sondern entwickelt sich, sagt ein anderer Berichterstatter (Lk 2,40.52). "Dieses schwache Knäbelein" (EG 33,2) entfaltet seine Kräfte und Gaben, und wir, die Erwachsenen müssen realisieren: Da wächst etwas heran, woran wir selber wachsen können. Das wird uns verändern, wenn wir denn wollen.
 
  Ihr fragt, wie es denn weiterging,
  was dort im kleinen Stall anfing?
  Wie soll es denn schon weitergehn?
  Das Baby wächst im Nu heran,
  zuerst als Junge, dann zum Mann,
  wird bald mitten im Leben stehn.

  Im Jahre 30 angekommen,
  hat er die Freiheit sich genommen,
  sich ganz den Menschen zugewandt;
  war ihnen Freund und Arzt und Lehrer,
  Tröster, Anwalt, Brotvermehrer,
  war bald im ganzen Land bekannt.

  Vergessen wir es nicht in dieser Nacht,
  in der das Himmelskind zur Welt gebracht
  wurde:
Es ist kein Kind geblieben!
  Es wurde groß an Seele, Leib und Geist,
  und einzigartig fähig, wie es heißt,
  Gott und Mit-Menschen zu lieben.

  (T. Anders)