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August 2015: Nachfrage in Erstaufnahmeeinrichtungen größer als Angebot

So kommt die Bibel unter die Leute

Wer auf Reisen ist und in einem Hotel übernachtet, findet oft im Nachtschränkchen ein dunkelblaues dreisprachiges Buch: deutsch, englisch, französisch. Es handelt sich um eine Ausgabe des Neuen Testaments, als Anhang im deutschen Teil auch die Psalmen und die Sprüche Salomos. Für die Hotelplatzierung sorgt der Gideonbund, eine internationale Vereinigung christlicher Geschäftsleute. Sie finanzieren und organisieren diesen Service, weil sie den Reisenden die Möglichkeit geben wollen, ihr "break" mit einem biblischen Impuls zu bereichern statt sich notgedrungen vom zufälligen TV-Abendprogramm in den Schlaf flimmern zu lassen… Manchmal wirken diese blauen Bücher wie ungelesen; ich habe aber auch schon erlebt, daß Seiten herausgerissen waren. Ob da wohl ein Bibeltext den Leser so gefangen genommen hatte, daß er ihn unbedingt schwarz auf weiß mit nach Hause nehmen mußte?  

Jetzt haben die Gideon-Leute mir eine ganze Anzahl von Neuen Testamenten zur Verfügung gestellt, für die Erstaufnahmeeinrichtungen in Horst/Nostorf und in Stern Buchholz/Schwerin. Dreisprachig, das ist sehr hilfreich. Anfangs hatte ich mich gewundert, wieso im Andachtsraum in Horst ständig die Bibeln verschwanden: Ob sich da jemand die Bücher rausnimmt und einen schwunghaften Handel damit betreibt? Eigentlich nicht vorstellbar. Ein Mitarbeiter in Horst sagte zu mir: "Das müßte Ihnen doch gefallen, wenn die Dinger geklaut werden; so kommt die Bibel unter die Leute. Anscheinend ist die Nachfrage größer als das Angebot". Das Buch, die Bibel unter die Leute bringen – in unserer Kirche ein Anliegen seit etwa 500 Jahren…

Kürzlich kam ein Flüchtling, der zur christlichen Minderheit in Syrien gehört, zu mir ins Büro. Er wollte wissen, ob es in Schwerin englischsprachige Gottesdienste gebe. Dann fragte er, ob ich eine Bibel für ihn hätte. Als ich ihm das dreisprachige Neue Testament überreichte, küßte er das Buch, drückte es an sein Herz, bekreuzigte sich und schrieb seinen Namen hinein. Ich bin sicher, daß das Buch bei ihm in guten Händen ist.

Walter Bartels