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“Jede Kirche ist Teil eines Mosaiks“ – Tag der Fördervereine in Malchow

 

Malchow (rn). „Brauchen wir alle Kirchen?“ fragte der Schweriner Kirchenbaurat Karl-Heinz Schwarz am Sonnabend beim 11. Treffen der Fördervereine und Sponsoren der mecklenburgischen Landeskirche in Malchow. Schwarz gab den 170 Teilnehmenden auch eine Antwort auf diese Frage: „Unsere Kirchen sind Mosaiksteine und wenn wir anfangen, ein Stück wegzulassen, dann wird es schwierig.“

 

Der Tag in der Malchower Stadtkirche wurde von Landesbischof Dr. Andreas von Maltzahn mit einer Andacht eröffnet. „Wir brauchen Zeiten der Ruhe und Orte der Stille, Zeiten und Orte für die fundamentalen Fragen.“ Von Maltzahn formulierte diese Frage in drei Worten: „Wer bin ich?“ Dies in Beziehung zu sich selbst, den Grenzen und Möglichkeiten, zu den Mitmenschen und zu Gott. Im Leben und im Sterben bleibe der Mensch gehalten und sei am Ende immer bei Gott. Zeiten der Ruhe brauche man, „um zu solcher Gewißheit zu gelangen. Und Orte der Stille, die unsere Kirchen sind.“

 

Dr. Enoch Lemcke vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur dankte denjenigen, die sich für die Kirchengebäude einsetzten: „Sie sind der lebendige Beweis dafür, daß die Kirche tatsächlich im Ort bleiben muß,“ sagte Lemcke und wies darauf hin, daß es häufig so sei, daß die Mittel der Fördervereine der Eigenanteil für die Sammlung weiterer Mittel sei.

 

Der Güstrower Landessuperintendent Fridolf Heydenreich stellte den Kirchenkreis Güstrow vor. In den vergangenen zwölf Jahren habe sich die Zahl der Gemeindeglieder um 21% verringert, die Spendenbereitschaft sei aber gestiegen. Heydenreich gab dann einen Überblick über wichtige Bauvorhaben des Kirchenkreises und wies dankend auf die Stadt Güstrow hin, die beispielhaft mit Städtebaufördermitteln die Sanierung von Dom und Pfarrkirche unterstützt habe: „Natürlich weiß die Stadt Güstrow selbst, welche Anziehungskraft die renovierten Kirchen haben und trotzdem ist das Engagement der Stadt bemerkenswert.“

 

Der Schweriner Kirchenbaurat Karl-Heinz Schwarz gab einen Überblick über das Baugeschehen in der Landeskirche im vergangenen Jahr. Insgesamt seien 17,8 Mio Euro verbaut worden. Seit 1990 habe sich der bauliche Zustand der Kirchgebäude dank vielfältiger Initiativen, Spenden und Förderungen erheblich verbessert, doch gäbe es immer noch 130 gefährdete Kirchen und die Kirche in Passee mußte auf Grund von Rißbildung in den Gewölben sogar gesperrt werden.

Schwarz fragte auch nach dem Nutzen, soviel Geld für die Erhaltung von Kirchen auszugeben und gab eine fünffache Antwort: Das Kirchgebäude sei das Symbol von Kirche und so für jedermann erkennbar und erlebbar. Zweitens seien Kirchgebäude für die Erhaltung des historischen Zentrums im Ort von Bedeutung. Sodann seien Kirchgebäude eine öffentliche Fläche für die Begegnung der Menschen. Viertens seien die sanierten Gebäude für die kirchliche und die kulturelle Nutzung von Bedeutung und schließlich seien sie für den Wirtschaftsfaktor Tourismus ein wesentlicher Beitrag.

Abschließend plädierte Schwarz für eine einheitliche Regelöffnungszeit der Offenen Kirchen von Mai bis September von Montag bis Freitag von 10 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr. Am Samstag von 10 bis 12 Uhr und am Sonntag von 11 bis 12 Uhr.

 

In zwei Vorträgen wurde sodann das Thema des Tages „Historische Taufen“ entfaltet. Klaus-Dieter Kaiser, Leiter der Evangelischen Akademie Mecklenburg-Vorpommern, hielt einen anspruchsvollen Vortrag über „Wie die Taufe Gestalt gewinnt“. Die Taufe ist "ein persönliches und zugleich öffentliches Geschehen. Sie hat, zumindest heute

(wieder), ihren Ort im Gottesdienst der Gemeinde," sagte Kaiser und gab dann einen Überblick über Formen und Orte der Taufe seit Entstehung des Christentums. Die Taufe sei „der Begegnungsraum vom Geist Gottes und unserem weltlichen Leben“ sagte Kaiser und sie habe im Kirchenraum einen langen Weg zurückgelegt. „Vom Ort draußen vor der Tür über die Schwellensituation ist die Taufe im Zentrum des Kirchengebäudes angekommen. So erinnert der Taufstein in jeder Gottesdienstfeier an die (eigene) Taufe.“ Und er schloß seinen Vortrag: „So wird die Taufe mitten in der Kirche zu einem lebendigen Ort des Lebens und der Gemeinschaft.“

Wortlaut: Taufe (110 KB)

 

Der Schweriner Kunsthistoriker Horst Ende gab in einem informativen Vortrag einen Überblick über die Entwicklung der Taufen. So stammten die Granitfünten aus einheimischem Stein, die Kalksteintaufen seien dagegen als Ballast mit den Schiffen ins Land gekommen. Ausführlich ging Ende auf die mittelalterlichen Erzfünten ein, von denen es noch elf Stück gäbe. Sie seien meist von Glockengießern hergestellt worden und seien reich verziert. Die bedeutendste Erzfünte stehe in St. Marien in Rostock, stamme von 1290 und sei von vier Trägerfiguren getragen, die die Paradiesströme symbolisierten. Die Erzfünte von Plau am See, sei allerdings von einem Kanonengießer gegossen worden, der „sich vielleicht in seinem Handwerk umorientiert hat,“ sagte er unter Beifall der Anwesenden.

Im Mecklenburg seien 30 Taufengel erhalten. Entstanden seien sie teilweise aus Platznot in den Kirchen, aber auch, um die Taufe für alle sichtbar zu machen. Es habe zur Entstehungszeit auch ein Bedürfnis gegeben, die Taufe zu inszenieren. „Ende des 18. Jahrhunderts fielen die Taufengel in Ungnade,“ so Ende. Man habe sie als Götzenfiguren betrachtet, an die Seite geräumt oder auf den Dachboden verbannt. „Erfreulich ist, daß sie in den letzten Jahren rehabilitiert und restauriert wurden,“ sagte Ende.

„Barmen“ in Pommern

Wortlaut: Vortrag: Taufen in Mecklenburg (126 KB) und Bilder zum Vortrag (1,5 MB)

 

Ein Höhepunkt der Tage der Fördervereine sind dann Kirchenbesichtigungen. Diesmal die sanierte kleine Dorfkirche von Grüssow, die am 6. März 1255 durch Bischof Rudolf von Schwerin geweiht wurde und jetzt im Zustand der Umgestaltung aus dem 19. Jahrhundert erhalten ist.

Danach ging es in die Kirchenbaustelle von Nossentin. Die Kirche wurde 1834 eingeweiht und 1995 aufgegeben. Durch den Anruf eines gegenüber der Kirche wohnenden Einwohners bei Pastor Müller, der den Anstoß gab, die verfallende Kirche zu retten, entstand das „Wunder von Nossentin“, wie gesagt wurde. Es fanden sich Sponsoren und Förderer und jede Menge Engagement. Ende des Jahres soll die Kirche wieder in Gebrauch genommen werden. Der Schirmherr der Nossentiner Kirche, der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher, will dann einen theologischen Vortrag halten. Allerdings fehlen noch 160.000 Euro an Spenden, aber der Malchower Gemeindepastor Dr. Ulrich Müller ist zuversichtlich, daß das Geld zusammenkommt.

 

Es war ein bewegender Tag des Dankeschöns an Menschen, die sich für die Erhaltung der Kirchgebäude einsetzen. Und eine Kirche, die Ehrenamtlichen Danke sagt, ihr Engagement und ihre Begeisterung wertschätzt und das mit solch einem Tag auch zeigt, die ist lebendig und begeisternd.

Rainer Neumann

(22.6.2009)

 



Uhr von Malchow zu Beginn der Veranstaltung. Fotos: Neumann


In der Kirche von Malchow


Landessuperintendent Fridolf Heydenreich


Kirchenbaurat Karl-Heinz Schwarz


Akademiedirektor Klaus-Dieter Kaiser


Kunsthistoriker Horst Ende



Vorstellung des Drei Kirchen Fördervereins Rosenow-Schwandt-Tarnow durch Bettina von Wahl


Vorstellung des Fördervereins St. Georgen in Parchim durch Dr. Manfred Arndt




Pröpstin Lia Müller erläutert die Geschichte der Kirche Grüssow


Viel Aufmerksamkeit bekam die Geschichte des Mauerwerks in Grüssow




In Grüssow


Landesbischof i.R. Hermann Beste


Architekt Gottreich Albrecht im Gespräch




In Nossentin. Die Kirche


Blick zum Altar


Das aus Australien gestiftete Tryptichon




Karl-Heinz Schwarz im Gespräch


Pastorin Ehlers (re.) im Gespräch


Christiane Gamisch (li.) im Gespräch




Landesbischof Andreas von Maltzahn im Gespräch


Gespräche in der Kaffeepause


Blick in die Kirche von Nossentin




Soll doch niemand sagen, es gäbe kein fließendes Wasser in Nossentin: Horst Ende bei der Handwäsche


In Grüssow


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